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Elf Jahre Markus Wolf als FC 05-„Boss“: So fing 2010 in der Landesliga alles an


Glöckle Tag der Ausbildung

SCHWEINFURT – Exakt elf Jahre ist es nun her, als Markus Wolf sich zum Vorsitzenden des 1. FC Schweinfurt 05 wählen ließ und damit zum Nachfolger von Werner Jonas, den der Möbel-Unternehmer und heute 52 Jahre alte zusätzliche Geschäftsführer der GmbH später stark kritisierte. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass Wolf vom Trikotsponsor zum ersten Mann des Vereins aufstieg?

Am 7. Mai 2010 gewann der FC 05 damals seine Landesliga-Partie gegen den SV Friesen mit 5:0. Einen Tag vor dem Stadtderby gegen die Freien Turner Schweinfurt kam es zur Jahreshauptversammlung – und kurz vorher war noch nicht klar, wer auf Jonas und seinen Stellvertreter Rudi Löhnert folgen sollte.


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Denn die Führungsriege mit bis zu sechs Personen in der Vorstandschaft und weiteren vier im fast noch mächtigeren Verwaltungsrat stellt sich neu auf – wobei am Freitagabend durchsickerte, dass die Schnüdel noch immer keinen sicheren Kandidaten haben für den Posten als neuen 1. Vorsitzenden. Nur durch die drei Großgönner Markus Wolf, Edgar Gleinser und dem 2013 verstorbenen Dieter Sczygiel schlitterten die 05er damals nicht in größere finanzielle Probleme. Obwohl sie in einer attraktiven Liga (mit damals auch den Würzburger Kickers) spielten und wenig später den Aufstieg in die Bayernliga schafften.

„Wir sind Leute, die dem Verein zugetan sind, die das selbstlos machen, die an sich nicht ganz normal sind“, meinte Edgar Gleinser, heute 80 Jahre alt, damals gegenüber dem Kick-Ticker. Gehandelt wurden zu dieser Zeit Dieter Pfister oder der inzwischen auch verstorbene Karl-Heinz Kauczok als Vorsitzende. „Für mich steht der Aufstieg an oberster Stelle. Alles andere kann ich nicht beeinflussen“, meint Trainer Frank Lerch, der wenige Tage danach seinen Posten räumen musste.

Dann kam der Montagabend – und Markus Wolf erklärte sich an diesem bereit, zumindest bis Jahresende als Vorsitzender zur Verfügung zu stehen. „Seit 48 Stunden vor der Wahl weiß ich, dass ich der Kandidat bin“, zeigte sich der Geschäftsmann ganz ehrlich, nachdem sich für die sechsköpfige, komplett neue Vorstandsmannschaft kein Mann für die vordere Front fand. Einstimmig und im Block wurde die Crew von den 149 anwesenden Mitgliedern gewählt.

Die beiden neuen Stellvertreter hießen Dieter Sczygiel und Jürgen Menninger. Als neuer Schatzmeister stieg Bruno Rath ein, der damals wie Wolf in Rieden im Landkreis Würzburg wohnte. Seine Stellvertreterin war Olga Kopp, Leiterin der FC-Geschäftsstelle und 2010 Lebenspartnerin von Spieler Sebastian Kneißl. Als Schriftführer stellte sich der aus Marktheidenfeld stammende Gerald Straub zur Verfügung, der in Schweinfurt eine Nachhilfeschule leitet. Als Verwaltungsräte zogen Edgaer Gleinser, Rechtsanwalt Jürgen Scholl und die Geschäftsmänner Herrmann Mees, und Michael Helmerich in die Crew ein.

Der Kassenbericht des kommissarischen Schatzmeisters Rudi Löhnert („Freude macht der Job nicht!“) ergab für die Bayernliga-Saison 2008/2009 zwar über 28.000 Euro an Minus, größtenteils aber stamme der Betrag aus einer Sonderabschreibung für die aus Zweitligazeiten rührenden und damals schon liquidierte Sport Media GmbH. Zum 30. Juni 2009 (nur bis zu diesem Zeitpunkt ging der Rechenschaftsbericht dieser Versammlung) wies der Verein einen Eigenkapitalfehlbetrag von 276.136,53 Euro auf, rund 172.000 Euro waren davon langfristig durch zinslose Darlehen von Privatpersonen abgedeckt, in erster Linie von Gleinser, Löhnert und Jonas. Einen Spagat habe man eingehen müssen, um in der sechstklassigen Landesliga den größtmöglichen sportlichen Erfolg zu erreichen. Und „so gerade mit einem blauen Auge“ sei man nun davongekommen.

Erst drei Tage vor der Jahreshauptversammlung lag den Revisoren die Bilanz vor. Von fehlenden Belegen sprach Menninger, von einem nicht feststellbaren Geldeingang der vier Vorbereitungsspiele der vergangenen Vorbereitungszeit, von einer „Verschleierung der tatsächlichen Wirtschaftslage“. Trotz sechsfacher Aufforderung hätten er und Kollege Stefan Funk keine Einsicht in die aktuellen Unterlagen bekommen…. „Wir sind schon ein eigenartiger Haufen“, trat dann Edgar Gleinser ans Mikrofon, nachdem während einer Pause darüber beraten wurde, ob man die Entlastung denn tatsächlich verschieben könne. „Ich bin wahnsinnig enttäuscht, wir erleben hier ein Desaster. Und dabei wollten wir doch eigentlich nur nach vorne schauen. Da vorne sitzen zwei arme Hunde, die sogar noch Geld mitbringen. Und wir regen uns auf über eine Bilanz.“ Fünf Monate habe man daran gearbeitet, die neue Führungsmannschaft zusammen zu bekommen. Das gelang, das Steuerbüro gab zudem sein Okay, segnete die Bilanz ab, die damals angezweifelt wurde. Die mal wieder flammende Rede Gleinsers stimmte die Mitglieder schließlich um. Gleinsers Bitte noch kurz zuvor: Man möge doch sein Herz zeigen für die Schnüdel und in den herumgereichten Ball eine kleine Spende werfen. „Beim letzten Mal war darin so wenig Geld, das hätte ich an einem Abend alleine versoffen. Und ich bin bestimmt kein Trinker!“

Ein schlafender Riese sei der FC Schweinfurt 05, eine verstaubte Marke, meinte der scheidende Vorstand Werner Jonas. Aber eben auch ein Verein, bei dem es damals immer wieder drunter und drüber ging. Siehe Peter Finzel: Der einstige Geschäftsstellen- und Jugendleiter übte zum Ausklang der exakt vierstündigen Versammlung unter dem Punkt „Verschiedenes“ so lange Kritik, bis das Mikrofon seinen Geist aufgab. „Schlechter Stil“ sei es gewesen, „wie man mich behandelt und rausgeschmissen hat, weil man in der Geschäftsstelle Platz brauchte für eine Dame. ´Du stehst auf der Abschussliste´“, soll ein Spieler ihm gegenüber geäußert haben. „Unter Peter Galm wäre er dafür früher rausgeschmissen worden“, so Finzel, der „große Angst um die FC-Jugend“ hat, „weil keiner mehr da ist, der sich richtig darum kümmert“. Fast alle Spieler der A-Jugend, die ab Sommer 2010 von Manfred „Zico“ Fehlbaum trainiert wurde, würden nach Ende der Saison den Verein verlassen. Wozu, fragte Finzel, betreibe der FC Schweinfurt 05 dann eigentlich noch Nachwuchsarbeit?

Elf Jahre später ist aus dem Chaos-Club ein ruhiger geworden. Von der eigenen Jugend schaffen es nach wie vor viel zu wenig in die erste Mannschaft, die Schnüdel bilden eigentlich eher für die Nachbarvereine aus. Der aktuelle U19-Trainer Edgar Tischner hört daher nun auch wieder auf, obwohl sein Team um den Aufstieg in die A-Jugend-Bundesliga spielen kann.

Ansonsten lag der FC 05 anfangs mit Klaus Scheer als Nachfolger von Frank Lerch komplett daneben. Unter Gerd Klaus aber gelang 2013 gleich der Aufstieg in die Regionalliga Bayern. Die Plätze 16, 13, 14, 9, 3, 4 und aktuell wieder 4 sind Zeichen eines langsamen (und schwankenden) Aufschwungs. Ab kommenden Dienstag spielen die Schnüdel um die Meisterschaft in der Regionalliga, danach hoffentlich um den Aufstieg in die 3. Liga. Gegen Frankfurt und zwei Mal Schalke 04 gab es große DFB-Pokal-Partien in der Ära Markus Wolf. Seit ein paar Jahren wird unter Profibedingungen gearbeitet, dabei freilich kam bis jetzt einfach noch zu wenig heraus, wenn man in der aktuellen Tabelle nur einen Platz vor dem Dorfverein TSV Aubstadt liegt, der mit um die zehn (und zuletzt noch mehr) einstigen Schweinfurtern – Stand jetzt! – gar nicht so weit entfernt ist von den Grün-Weißen.


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