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„Jedes Böhnlein gibt ein Tönlein“: Warum der FC 05 bald die 3. Liga beReichert


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GARBSEN / SCHWEINFURT – Wir schreiben den 19. Juni 2021. Ein Samstag, kurz nach 15.15 Uhr. Gerade ereignet sich scheinbar Historisches, denn nach dem 2:1-Sieg im Hinspiel gegen den TSV Havelse drückt der FC Schweinfurt 05 im Rückspiel in dem Stadtteil von Garbsen in den letzten Minuten der Verlängerung beim Stand von 2:1 für die Hausherren auf den Ausgleich. Nur noch ein Tor, und die Schnüdel steigen in die 3. Liga auf. Das bedeutet Profifußball.

Es läuft die 115. Spielminute. Havelses Stürmer lässt sich theatralisch im Strafraum fallen. „Was für ein Billick Trick, Du Bauer“, ruft Abwehrmann Lukas seinem Gegenspieler zu. „Du Rinderknecht“, beleidigt der zurück. Schiedsrichter Aytekin hat es gehört und verwarnt den Spieler der Hausherren. Was auffällt: Der Angreifer mit der Nummer „9“ trägt ganz besondere Schuhe, hat die Vorderseite seiner Treter in zehn verschiedenen Farben bemalt. „Cekic“ nannte Schweinfurts Keeper Luis schon beim Einlaufen die Marotte an den Schlappen. „Kleider machen Leute“ entgegnete der Torjäger, der in Schweinfurt den wichtigen Ehrentreffer erzielt hatte.


AOK - Keine Kompromisse

Wie auch immer, jedenfalls haben nun wieder die Schweinfurter den Ball. Kevin serviert ihn auf Amar, der schlägt ihn scharf nach innen, wo der eingewechselte Sascha nur noch den Haxen hinhalten muss. „Der Bas genau“, jubelt mit Florian der ebenfalls frisch von Coach Tobi zuvor gebrachte Offensivspieler. „Manu, dass der auch mal trifft“, wunderte sich Co-Trainer Jan lachend auf der Bank. Der Ausgleich, den der Keeper gar nicht verkraften will. Wild schreiend reklamiert er eine Abseitsposition. Dabei lief Sascha doch von hinten in den Ball. Der Torschütze grinst aber nur und zeigte dem Thomann von Havelse den Vogel. Mit knackigen Worten dazu: „Du Caspari!“ Schiri Aytekins Appell: „Fery bleiben, Jungs! Sonst muss ich Gelb zeigen. Was Suljic sonst machen?“


Nur noch wenige Sekunden zu spielen. „Jedes Böhnlein gibt ein Tönlein“, grinst Außenbahnspieler Philipp in Richtung seines Gegenspielers, nachdem ein durch die wenigen Zuschauer hörbarer Darmwind seine Rückansicht verlassen hatte. Ja, Fans durften fast keine ins Stadion, nur 200 Havelser und 50 Schweinfurter. Auch ihren für den geistlichen Segen vorgesehenen Pfarr hatten die Garbsener auf die kleine Tribüne gesetzt. Doch das hilft nichts an diesem Tag. Mit dem 2:2 ist Schluss. Der FC 05 steigt auf – und Reichert künftig die 3. Liga an. Riesenjubel bei den Gästen und ihren rund weiteren 100 Schlachtenbummlern vor den Toren des Stadions. „Laverty gleich auf den Zaun steigen“, kündigt der dritte Keeper Andi Gewohntes an.

„Wollt ihr was trinken?“, fragt Vereinsboss Markus. „Ja, Biri!“, rufen die Spieler zurück – und prompt serviert Markus jedem eine Halbe mit Gilde-Pils und dazu jeweils ein Hettich-Brot. „Das ess´ ich Gernlein“, schmatzt Stürmer Adam, der zugibt, dass es in seinem doch schon 37 Jahre alten Körper Zwick und Zietsch. Mit seinem „A süßer Haas“ in Richtung von Martins auf das Spielfeld gelaufener Freundin macht sich der aus Rosenheim stammende Edelfan des TSV Havelse nicht gerade beliebt. Fast gibt es noch ein bisschen Ärger bei der kleinen, aber feinen Aufstiegsfeier. „Verschwindet, ihr Ramser“, bemüht Sportleiter Robert ein altes Wort aus der Schweiz für ´Verlierer´ für die dazu gekommenen Garbsener. Und dabei stammt Robert doch aus der Gemeinde Strobl im Bezirk Salzburg in Österreich.

Die wie immer bienenfleißigen Mittelfeldrenner Daniel und Kristian stoßen miteinander an. „Ich Binner Aufsteiger“, springt Nico jubelnd dazwischen und nennt Daniel einen „Fußball-Gott!“ Was für eine Adlung! „Und dafür hast Du 33 Yarbrough“, lacht Betreuer Tony mit seinem typischen Deutsch-Kanadischen Kauderwelsch. Was für ein schickes Holzfällerhemd er doch trägt, der alte Scheithauer!

Ersatzkeeper Jan jubelte die letzten Minuten so viel. dass er keinen Pieper mehr herausbringt. Total heißer hechtet er sich wie einst Sepp Maier auf eine herbei geflogene Ente. Was für ein Überschwang der Gefühle! „Ich Hyseni mich nach Hause“, zischt Busfahrer Nobby und ruft auf zur Abfahrt der ungeduschten Helden von der Stätte des Triumphs. Grözinger war der Erfolg der Schnüdel eigentlich nur 1990 und 2001 mit dem Aufstieg gar in die 2. Bundesliga.

Wäre doch schön, wenn´s am 19. Juni so kommt, oder? Wieviele aktuelle Schnüdel-Nachnamen verstecken sich hier im Text? Wer hat´s gezählt? Und muss Sascha Marinkovic den Verein nun verlassen, weil man ihn bei allen Bemühungen einfach nicht einbauen konnte?


Heute mal ausgehen/bestellen? Wie wäre es mit:
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