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Was macht eigentlich…Joachim Reuß? Als der Rhönbomber gegen Havelse traf


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SCHWEINFURT – Am 16. Dezember 1990, gerade mal acht Tage vor Weihnachten, trafen sich der 1. FC Schweinfurt 05 und der TSV Havelse zum zweiten Spiel der Rückrunde der damals 20 Teams umfassenden 2. Fußball-Bundesliga. Mehr als 30 Jahre später kommt es am Samstag zum Wiedersehen. Höchste Zeit, um mal an denjenigen zu erinnern, der beim 1:1 für die Schnüdel traf. Und der ausgerechnet auch noch Geburtstag hat.

Joachim Reuß wird am Samstag 54 Jahre alt. Der 1,73 Meter große Stürmer war damals mit sechs Treffern in 28 Partien der beste Torschütze der Schweinfurter beim nur einjährigen Gastspiel. anpfiff.info fand ihn in Schwaig bei Nürnberg und bat zum Gespräch.


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Herr Reuß, wie sehr sind Sie noch am Fußball und vor allen an den Schnüdeln interessiert? Ist das bei Ihnen ein Thema, dass nun die zwei Aufstiegsspiele gegen Havelse anstehen?
Joachim Reuß: Fußball ist bei mir natürlich immer noch präsent. Ich selbst spiele noch beim TSV Ebermannstadt in der AH. Zu den Schnüdeln habe ich keinen Kontakt mehr, verfolge aber allein schon aus alter Verbundenheit die Entwicklung. Ich freue mich, dass wieder die Möglichkeit eines Aufstiegs im Raum steht und drücke ihnen fest die Daumen.


Was genau machen Sie beruflich, wo leben Sie? Und wie ist der Kontakt nach Unterfranken?
Joachim Reuß: Ich bin Geschäftsführer eines Automobilzulieferers und lebe seit nun seit fast 20 Jahren in der Fränkischen Schweiz in Ebermannstadt. Natürlich besuche ich meine Familie in der Rhön regelmäßig und treffe mich da gelegentlich mit Freunden aus meiner Jugend.

„Rhönbomber“ ist sicherlich einer der heißtesten und außergewöhnlichsten Spitznamen für einen Fußballer. Wer hat ihn Ihnen damals gegeben?
Joachim Reuß: Keine Ahnung mehr, wie der Spitzname zustande kam. Aber man hat mich bereits so genannt, bevor ich zum FC 05 kam. Ich komme aus der Rhön und habe dort viele Tore geschossen. Vermutlich leitet sich davon der Spitzname ab. Beim FC hat man damals sehr stark auf Spieler aus der Region gebaut, so dass der Spitzname bestimmt von den Fans übernommen wurde.

Dass Sie aus der Rhön stammen, ist klar. Aber woher genau kommen Sie und wie lauteten Ihre Fußball- Etappen auf dem Weg zum FC 05?
Joachim Reuß: Ich bin beim TSV Unterelsbach groß geworden. Zum FC 05 hat mich damals Werner Köhler, ein Urgestein beim FC, gebracht. Er hat mich an einem Sonntagvormittag zu einem Probetraining mitgenommen und das hat den damaligen Trainer Werner Lorant anscheinend überzeugt.

Neun Franken standen damals in der Startformation gegen Havelse. Eigentlich ein Traum. Aber wäre mit drei, vier externen Verstärkungen der Klassenerhalt vielleicht möglich gewesen?
Joachim Reuß: Im Nachhinein weiß man immer alles besser. Das war ja auch der Plan von Werner Lorant und der Grund, warum er aufgehört hat. Aber es ist immer eine Gratwanderung zwischen Verschulden und sorgfältigem betriebswirtschaftlichen Haushalten. Die jüngsten Beispiele aus der Bundesliga zeigen gerade die gravierenden Folgen auf. Der damalige Vorsitzende Peter Galm war Fachmann und hat gewusst, was sich der FC leisten konnte. Man hat dann mit Elmar Wienecke einen neuen Weg versucht, der meines Erachtens mit seinen Trainingsmethoden seiner Zeit damals voraus war und wir möglicherweise auch nicht bereit waren, diesen Neuerungen im Trainingsaufbau gegenüber offen genug zu sein.

Der TSV Havelse hatte damals eine höchst interessante Truppe, zumindest was die Namen betrifft. Weniger wegen Coach Volker Finke, danach Langzeit-Trainer in Freiburg. Eher wegen Jens Todt, der 1996 höchst lebendig mit Deutschland Europameister wurde. Oder wegen den Spielern Kronhardt, Trautmann, Urosevic und Cappochiano. Klingt wie eine Betriebsmannschaft für Zahnärzte, Standesbeamte, Harnmediziner oder Cafébetreiber…

Welche Erinnerungen haben Sie an den 16. Dezember 1990? Mutmaßlich war es ja kalt. Können Sie sich noch an das Ausgleichstor in der 67. Minute erinnern?
Joachim Reuß: An das Spiel habe ich keine genauen Erinnerungen mehr, aber anscheinend habe ich ein Tor geschossen (lacht)!

Warum fehlten Sie im Hinspiel im Sommer 1990?
Joachim Reuß: Vermutlich hatte ich eine Verletzung, aber daran kann ich mich nicht erinnern.

War das 1:4 in Garbsen bei Hannover am 2. Spieltag schon so wegweisend für den sang- und klanglosen Abstieg der Schnüdel? Wie schnell merkten Sie, dass der Kader wenige Chancen haben wird in der 2. Bundesliga?
Joachim Reuß: Nach den aufreibenden Aufstiegswochen, bei denen jeder von uns nur noch auf dem Zahnfleisch ging, waren zwei Wochen Pause zu wenig. Unser körperbetontes Spiel war so kurzfristig nicht regenerierbar. Dazu haben wir einige Spiele am Anfang auch knapp verloren, so dass dann nach zehn Spieltagen die Messe gelesen war.

Was blieb aus der Zeit damals? Haben Sie zu irgendwelchen Spielern noch besondere Kontakte?
Joachim Reuß: Ich war danach beruflich stark eingebunden und viel unterwegs, so dass kein Kontakt mehr möglich war. Der einzige, leider sehr traurige Anlass eines Treffens mit den ehemaligen Kollegen war der Tod und die Beerdigung von Oliver Wölfling. Das war für uns alle ein Schock.

Sie trafen ja immerhin sechs Mal und waren erst Anfang 20. Hat das nicht Türen geöffnet, um im Profifußball zu bleiben?
Joachim Reuß: Ja, ich hatte Kontakte, aber man muss sich immer selbst einschätzen können. Meine Spielweise war von meiner Schnelligkeit und dem Torgespür geprägt – ich war immer da, wo es gebrannt hat. Für das Filigrane war andere zuständig. Danach muss man seine Lebensplanung ausrichten, so dass die berufliche Karriere immer im Vordergrund stand.

Wie ging´s bei Ihnen nach dem Wiederabstieg fußballerisch weiter?
Joachim Reuß: Ich hatte im Jahr nach der Zeit bei Schweinfurt beim FC Sand angeheuert, hatte aber viele kleine Verletzungen, so dass ich im Jahr drauf mich nur noch auf den Freizeitfußball konzentriert habe. Bis heute habe ich, neben meiner Familie, so viele andere Interessen dazu gewonnen, so dass Fußball bei mir nur ein nebensächlicher Lebensbestandteil ist.

Wie und wo feiern Sie am Samstag Ihren 54. Geburtstag? Und blicken Sie mit einem Auge oder hören mit einem Ohr auf die Geschehnisse im Willy-Sachs-Stadion?
Joachim Reuß: Nach den Einschränkungen des letzten Jahres kann ich endlich wieder im Rahmen der Familie den Geburtstag in der Rhön feiern. Und natürlich beobachte ich die Aufstiegsspiele und drücke dem FC 05 die Daumen.

Wir danken für das Gespräch und wünschen alles Gute!
Joachim Reuß: Vielen Dank auch von meiner Seite und an alle Spieler und Fans des FC 05 – viel Erfolg, bleiben Sie gesund!

Entweder/oder?

Lorant oder Wienecke?
Lorant war der Schleifer, hat uns aber so zu dem Erfolg gebracht. Wienecke war zu unerfahren, aber seine Methoden waren eben auch neu für uns. Letztlich waren wir damals von derAufstiegsrunde körperlich verbraucht und alle am Limit. Nach zehn Partien war´s gelaufen in der 2. Liga.

Unterelsbach oder Ebermannstadt?
Ebermannstadt. Unterelsbach ist ein kleines Dorf. Ebermannstadt bietet alles. Natürlich bin ich trotzdem immer wieder gerne in Unterelsbach und treffe alte Freunde.

Rhön oder Fränkische Schweiz?
Oberfranken bietet halt eine gewisse Lebenskultur und ich staune immer wieder, dass in der Rhön Gaststätten und Biergärten zumachen, während man in der Fränkischen Schweiz überall nach Bedienungen sucht. Aber in der Rhön habe ich meine Jugend verbracht und komme natürlich immer wieder gerne zurück in die Heimat zu den Eltern, zu Tanten und Onkels.

Bier oder Wein?
Eindeutig Bier! Logisch in der fränkischen Schweiz, oder? Pils vom Faß ist am besten. Oder die Produkte der Brauerei Först in Drügendorf …

Berge oder Meer?
Meer. Im Urlaub bin ich der Faule, der Genießer. Ich reise gerne in warme Länder, egal ob Spanien, Mexiko oder Thailand.

Schweinfurt oder Schwaig?
Schwaig bedeutet ja Nürnberg, das ist gleich nebendran. Ich mag große Städte, war beruflich in Hannover, München, Budapest, neulich am Wochenende in Hamburg. Mit Schweinfurt konnte ich nie etwas anfangen. Dann sogar lieber Ebermannstadt.

Peter Galm oder Steffen Galm?
Mit Steffen war ich früher auf Tour, auch bei Trainingslagern zusammen Gassi, zu ihm habe ich den größeren Bezug. Peter war der Macher, die Respektsperson, hat das damals als Vorsitzender mit Schweinfurt 05 aufgebaut. Alles in allem war´s eine super Zeit.

Werner oder Sané?
Keiner von beiden, die sind für mich absolut ineffektive Spieler, über die ich mich aufregen könnte. Ich mag eher Müller oder Havertz, da steckt auch mehr Identifikation hinten dran. Aber ich bin ja nicht der Bundestrainer.

Löw oder Flick?
Flick entwickelt meines Erachtens im Moment mehr, Löw stagniert eher. Flick hat für mich mehr drauf. Aber ich bin ja auch kein Fachmann…

Schwarz oder Weiß:
Sowas mag ich eigentlich gar nicht…, denn jeder Punkt hat Vor- und Nachteile

Person: Joachim Reuß
Geb-Datum 12.06.1967
Geburtsort Bad Neustadt a.d. Saale
Land Deutschland
Wohnort Ebermannstadt
Größe cm 175 cm
Gewicht kg 89 kg
Spitzname Rhönbomber
Familienstand verheiratet
Anzahl Kinder 2
Beruf Geschäftsführer
Hobbies Fußball, Mountain-Biking, Skifahren, Biergarten
Starker Fuß rechts
Lieblings-Position Stürmer
Größte Erfolge Aufstieg 2. Bundesliga mit Schweinfurt 05


Wir sind Partner des Fußballs:
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