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Wenn Rassismus im Raum steht – aber ein Wegschweigen die beste Lösung ist


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SCHWEINFURT / AUBSTADT – Was genau da am Samstag zwischen Michael Dellinger und Bennet Schmidt vorgefallen ist am Ende der ersten Halbzeit der Regionalliga-Fußballpartie, das wissen nur der Torschütze des TSV Aubstadt und der Schweinfurter Keeper. Dellinger jedenfalls behauptet, Schmidt habe ihn im Derby rassistisch beleidigt, ohne aber zunächst die Wortwahl verraten zu wollen. Alles nur ein Missverständnis oder gar böse Absicht der Nummer 19 des FC 05-Gegners?

Nun soll sich der Torhüter danach entschuldigt haben beim dunkelhäutigen Stürmer. Dafür würde auch ein zur Pause entstandenes Bild sprechen, auf dem Schmidt Dellinger umarmt. Damit könnte man es nun auch wieder bewenden lassen. Anders als im olympischen Radrenn-Fall mit dem Bundestrainer, der zwei Fahrer anderer Nationen „Kameltreiber“ nannte, der das danach bedauerte, der aber dennoch von Japan nach Hause geschickt wurde. Sicherlich auch deshalb, weil sein unpassendes Wort weltweit zu hören war.


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Was Schmidt zu Dellinger auf dem Spielfeld sagte, hielt kein Mikrofon fest. Auch ob er überhaupt etwas zu Dellinger sagte. Und die Gespräche zwischen Schiedsrichter Jürgen Steckenmeier und Aubstadts Spieler sind zudem nicht hinterlegt. Dellinger behauptet, der Unparteiische hätte ihn früh darauf hingewiesen, sich vom Stürmer an diesem Samstag nichts sagen zu lassen, ihm quasi das Recht auf Meinungsäußerung abgesprochen. Das muss man akzeptieren. Für den Stürmer blieb dennoch auch am Montag noch eher das Unverständnis gegenüber Steckenmeier.


Die gelbe Karte nach seinem Tor wurde Dellinger nicht gezeigt, nachdem er den Schiedsrichter angeblich auf die im Raum stehende rassistische Äußerung aufmerksam machte. Der schwarze Mann im hellblauen Trikot hatte davon ohnehin nichts gehört, soll Dellinger jedoch laut dessen Version mitgeteilt haben, dass es ihm leid tue, wenn dem so wäre. Um den Spieler in Halbzeit zwei mit der Ampelkarte vom Platz zu stellen nach einer Brust an Brust-Aktion mit dem Schweinfurter Kristian Böhnlein, als beide aber rein gar nichts machten, was eine Verwarnung – hier wie da – rechtfertigen würde.

Gelb bekam Dellinger, weil er nach seinem Tor zum 4:1 den Ball schnell aus dem Netz holte und danach an Bennet Schmidt vorbeilief, ihn touchierte. Keine Tätlichkeit, aber ein unsportliches Verhalten für den Schiedsrichter. Für Dellinger war´s ein Klaps nach einem Vorfall zuvor, als er schon mal vor dem Tor stand, aber scheiterte. „Nigger“ soll der FC 05-Keeper zu Michael Dellinger da gesagt haben. Zumindest hat Aubstadts Stürmer das so verstanden.

Überall gebe es Kampagnen gegen Rassismus, letztlich aber, wenn´s mal konkret wird, schauen alle lieber doch weg. So oder ähnlich denkt Michael Dellinger, der sich beim Gang in die Kabine nach Gelb-Rot auch noch verhöhnen lassen musste von Teilen des Schweinfurter Tribünen-Publikums. „Ich beleidige doch auch keinen Deutschen als Weißwurst“, sagte Dellinger am Samstagnachmittag und meint damit weißhäutige Deutsche, die ein bisschen anders aussehen als er.

Für den FC 05 war der Vorfall am Sonntag schon erledigt, weil es aus der Sicht der Schnüdel gar keinen gab. Auch von den Schweinfurter Vorderleuten hatte niemand etwas gehört. Schon gar nicht das böse Wort mit dem N. „Das mit dem Spieler ist geklärt. Er hat sich entschuldigt“, bestätigte Michael Dellinger am Sonntag nochmals und monierte das fehlende Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters. Kurz danach betonte der FC 05, dass es gar keine keine Entschuldigung gab, „weil´s eben nichts zu entschuldigen gab“, so Trainer Tobias Strobl. Das Bild zur Pause spricht aber zumindest für einen zwischenmenschlichen Kontakt.

Und den soll es auch danach zwischen den beiden Akteuren gegeben haben. Laut Dellinger habe Schmidt sich geäußert, er habe ihn „Digga“ genannt. „Ich schenke ihm Glauben“, sagt Dellinger, für den die Sache seit Samstagabend angehakt ist. Das Wort steht umgangssprachlich für „Kumpel“ oder „Freund“ – wobei es nur bedingt passend wäre, weil Dellinger und Schmidt bis letzten Samstag keine Berührungspunkte hatten. Hier ein 21 Jahre alter Ex-Freiburger und -Magdeburger aus Wernigerode, da ein 28 Jahre alter Schweinfurter mit Schnüdel- und WFV-Vergangenheit.

„Digga“ gesagt, „Nigger“ verstanden: Möglich und in der Hitze des Gefechts genauso erklärbar wie die Emotionen eines dunkelhäutigen Spielers, wenn er das böse Wort mit N so gehört hat. Michael Dellinger hat verziehen und die Sache abgehakt. Wie auch der FC 05, um vor Burghausen und Nürnberg 2 nicht die Konzentration zu verlieren. Allerdings mit der etwas fragwürdigen Herangehensweise eines „von uns hat niemand irgendwas mitbekommen und auch keiner etwas gemacht“.

So steht im Raum, dass ein gegnerischer Akteur, noch dazu ein echter Schweinfurter, eine rassistische Beleidigung einfach so erfunden hat und darum herum weitere Lügen konstruiert. Die Frage nach dem Warum muss erlaubt sein. Weniger freilich die, weshalb andere Medien die Geschichte nicht aufgreifen. Denn wer verbrennt sich schon gerne die Finger und verscherzt es sich eventuell mit dem FC 05…

Michael Horling
redaktion@sw1.news


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