16. 01. 2018

Halbzeitbilanz der Schnüdel: „Eine Spitzenmannschaft muss das kompensieren!“



SCHWEINFURT – 2017 war ein bewegtes Jahr für die Schnüdel. Umstellung auf Profi-Fußball, mehrere Pokal-Highlights, in der Regionalliga endlich mal keine Abstiegsgefahr, sondern ein Mitmischen im Vorderfeld, wenn auch nicht an der absoluten Spitze. Und dann wurde bekannt, dass Trainer Gerd Klaus nach dann sechs Jahren im Sommer aufhören wird. Zumindest als Trainer. Und in der Funktion beantwortete er die Halbzeit-Fragen von anpfiff.info.

Herr Klaus, war 2017 das bislang aufregendste Jahr in Ihrer bisherigen Trainerkarriere?
Gerd Klaus: Ja, mit Sicherheit. Alleine schon wegen der vielen Pokal-Highlights.

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Wie sehr ärgert es Sie, dass Ihre Mannschaft mit ein paar besseren Auswärtsspielen nun wohl ein heißer Meisterschaftskandidat sein könnte?
Gerd Klaus: Im Nachgang ist das klar ärgerlich! Das wäre sicher nicht passiert, wenn wir nicht so einen kleinen Kader hätten und wenn von Saisonbeginn an drei Leistungsträger nicht verletzt ausgefallen wären. Zusammen mit den vielen Highlight-Spielen mussten wir dem Tribut zollen. Jetzt stehen wir da, wo wir auf alle Fälle hätten stehen sollen. Ohne die vielen Pokalspiele wäre das sicherlich ein besserer Platz. Aber es kam eben viel zusammen.

Auf einer Skala von 10 (top) bis 0 (Flop) – wie schätzen Sie Ihre Halbserie ein?
Gerd Klaus: 8 würde ich sagen! Wir haben auf alle Fälle sehr viele gute Spiele abgeliefert. Wenn die Spannung da war und wir voll im Saft standen, dann haben wir gute Leistungen abgeliefert. Im topfitten Zustand boten wir guten Fußball.

Welches Spiel war das beste und warum?
Gerd Klaus: Das 2:1 gegen Sandhausen im Pokal, als wir einen Zweitligisten beherrscht haben. Das war schon außergewöhnlich.

Und welches das schlechteste?
Gerd Klaus: Mit Sicherheit die Partie in Unterföhring. Kurz nach dem Spiel gegen Frankfurt haben wir uns gegen Fürth 2 noch durchgeschlagen, drei Tage später aber waren wir beim Schlusslicht komplett leer. Klar ist: Eine Spitzenmannschaft muss das kompensieren!

Was machen Ihre Jungs schon richtig gut?
Gerd Klaus: Unser Offensivspiel ist richtig gut, auch unser Umschaltspiel.

Was muss 2018 in jedem Fall besser werden?
Gerd Klaus: Defensiv müssen wir besser stehen und gegen tief stehende Gegner bessere Lösungen finden. Hinten muss öfters die Null stehen, gerade gegen die kleineren Gegner.

An welchen Moment der Hinserie erinnern Sie sich sofort wieder?
Gerd Klaus: Das Pokalspiel vor den 15.000 Zuschauern gegen Frankfurt, als Marius Willsch nach der Pause das 1:1 machen muss. Fällt da das Tor, dann wird es richtig interessant, dann wird es ein noch geileres Spiel. Ich hatte aber so shcon die ersten 60 Minuten oft Gänsehaut. Das war der Wahnsinn. Auch wegen der Kulisse und der Frankfurter Fans. Es war ja immer unser Ziel, das Stadion mal voll zu bekommen.

Unser „Tor des Jahres“ schoss bislang…
Gerd Klaus: Marius Willsch. Sein 1:1 gegen Sandhausen beim 2:1-Sieg.

Welcher Spieler eines Gegners hat Sie denn am meisten geärgert?
Gerd Klaus: Sascha Mölders bei unserer Niederlage bei den Löwen. Deren Trainer Daniel Bierofka gab zu, dass Mölders gegen uns sein bestes Spiel überhaupt gemacht hat. Der hat uns alleine erschossen. Obwohl wir die bessere Mannschaft waren.

Und über welchen aus Ihrem Team haben Sie sich am meisten gefreut? Wer hat sich definitiv ein Lob verdient?
Gerd Klaus: Christopher Kracun hat den größten Sprung gemacht und eine geile Serie mit vielen guten Partien gespielt. Auch Philip Messingschlager hat sich gut entwickelt.

Der Verband sucht ja immer nach den stillen Helden, ohne die der Verein nicht so wäre, wie er ist! Wer aus Ihrem Verein ist denn für diese Rolle am besten geeignet und warum?
Gerd Klaus: Unsere Wäschefrau Hanne Schneider! Wegen ihrer Art, wie sie es macht, mit Sorgfalt und Liebe. Sie ist immer pünktlich da, schneidet uns auch bst, was sie nicht machen müsste.

Gibt es in der Winterpause Zu- oder Abgänge, kehren verletzte oder lange fehlende Spieler zurück?
Gerd Klaus: Zu- und Abgänge nicht. Nic Görtler kommt sicher zurück, auf ihn freuen wir uns. Er trainierte die letzten vier Wochen schon mit. Da hat man bereits gesehen, wie wichtig er ist. Ich habe sogar überlegt, ihn noch ein, zwei Mal einzusetzen. Weil er schon wieder stabil war nach seinem Kreuzbandriss. Aber das wäre dann vielleicht doch zu früh gekommen. Auch auf Lukas Kling freuen wir uns, auch wenn er Ende 2017 schon wieder ein paar Spiele gemacht hat nach seiner langen Pause.

Mit welcher Zielsetzung starten Sie ins Fußball-Frühjahr 2018?
Gerd Klaus: Ziel ist ganz klar, die DFB-Pokal-Hauptrunde wieder zu erreichen. Und wir wollen in der Liga so wenige Spiele wie möglich verlieren.

Wem trauen Sie am ehesten den Meistertitel zu und warum?
Gerd Klaus: 1860 München wird Meister, ganz klar! Die Löwen waren eh schon stabil und bekommen nun auch noch Langzeitverletzte zurück.

Was muss am Saisonende erreicht werden, damit Sie sich zufrieden zurücklehnen können?
Gerd Klaus: Der Pokal-Einzug ist das Wichtigste! Und dazu eine ordentliche Platzierung in der Liga. Gerade gegen die Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte will ich keine Partie mehr verlieren.

Sie hören als Trainer nach der Saison auf. Gibt es denn schon einen Nachfolger? Bis wann soll der präsentiert werden und wer sucht ihn? Was passiert mit Stefan Braungardt? Und was werden Sie selbst künftig machen?
Gerd Klaus: Markus Wolf und ich suchen, aber einen zeitlichen Rahmen, wann wir den neuen Mann präsentieren, haben wir uns nicht gesteckt. Wir haben noch Zeit, haben aber auch schon ein, zwei Gespräche geführt und uns ein Bild von Kandidaten gemacht. Es soll so schnell wie möglich passieren, eine Deadline wie vielleicht den 1. Februar oder so gibt´s aber nicht. Der Cheftrainer ist die erste Aufgabe, danach stehen die anderen Überlegungen an. Ich werde die sportliche Leitung im Verein übernehmen, genau fixiert ist das aber auch noch nicht.

Wann geht´s wieder los und welche Testpartien stehen an?
Gerd Klaus: Ab 15. Januar trainieren wir wieder, vom 5. bis 11. Februar fahren wir in die Türkei ins Trainingslager. Testspiele stehen bereits am 27. Januar gegen Elversberg, am 3. Februar gegen Sand, am 17, Februar gegen den Würzburger FV und am 25. Februar gegen Eltersdorf fest. Alle zuhause bei uns. Am 3. März starten wir dann daheim gegen Bayreuth in die Punkterunde.


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Danke für das Interview und alles Gute!

Jetzt mal ehrlich!

Neben zahlreichen sportlichen Fragen hat anpfiff.info die Trainer der Liga auch in diesem Jahr wieder mit Fragen konfrontiert, bei denen ausdrücklich Antworten mit einem gewissen Augenzwinkern verlangt waren.

Dreistellige Millionenbeträge als Ablöse: Verständlich – oder widert Sie das Fußballgeschäft an?
Gerd Klaus: Das ist das Geschäft, also verständlich. Weil eben viele Leute Fußball schauen wollen. Und dann treibt der Markt das in diese Höhen.

Für welchen Fußballer aus der Region müssten die Engländer oder Chinesen eine Million Euro an Ablöse hinlegen?
Gerd Klaus: Für die Chinesen wäre Philipp Kleinhenz ein geiler Typ!

Wonach müsste ein Lederball schmecken, damit Sie ihn küssen?
Gerd Klaus: Nach irgendwas, was ich mag… Nach Mon Chéri!

Wenn Schokolade nicht hilft: Was muntert Sie nach einer Niederlage auf?
Gerd Klaus: Nix!

Welcher Ihrer Spieler könnte es auf ein Titelcover des Men´s Health schaffen – und warum?
Gerd Klaus: Da haben wir einige, am ehesten Marius Willsch!

Was war die kurioseste Verletzung eines Fußballers, die Sie erlebt haben?
Gerd Klaus: Das war ein tragischer Erlebnis 1997, als ich Spieler in Weismain war. Der Nigerianer Emmanuel Nwanegbo vom Regionalligisten SSV Reutlingen ist auf dem Platz bewusstlos zusammen gebrochen und an einem Herzinfarkt gestorben. Ich stand direkt neben ihm. Seine Frau und sein Kind sind noch auf den Rasen gelaufen. Eine Tragödie! Danach hat niemand mehr auch nur ein Wort sagen können…

Jerome Boateng hätten Sie gerne zum Nachbarn, weil…
Haben Sie als Sportler schon mal etwas getan, das sie heute bereuen?
Gerd Klaus: Ich würde gerne den großen Bruder Kevin-Prince aus Frankfurt nehmen, weil er ein lockerer Typ und netter Mensch zu sein scheint. Auch wenn ich ihn privat nicht kenne.

Diesen Beitrag stellte uns das fränkische Fußballmagazin anpfiff.info ausnahmsweise mal in kompletter Länge zur Verfügung. Dort erschien das ausführliche Interview bereits vor einigen Tagen. Auch mit Trainern/Verantwortlichen aller (!) unterklassigen Fußballmannschaften aus der Region in und um Schweinfurt führt anpfiff.info während der Fußball-Winterpause lesenswerte Halbzeit-Interviews.







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