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Foto: Pixabay / steinchen

Spitze Zungen: Dubiose Sammelmethoden


Anja Weisgerber

Für Kinder in Not spendet man gerne. Und genau das nutzt nun ein Wohlfahrtsverband auf eine etwas fragwürdige Art und Weise aus. Geld einsammeln an der Haustüre ist ja so eine Sache. Und durchaus zu kritisieren, wenn es so abläuft wie in diesem Fall.

Donnerstagabend, 19.30 Uhr: Im Spätsommer ist es noch hell, aber eben doch schon eine Zeit, in der man an sich keine „Geschäfte“ mehr macht. Wir kamen gerade nach Hause nach Schonungen, ich musste aber dringend ein solches „Geschäft“ erledigen nach einer Einkehr zuvor und längerer Autofahrt, eilte daher ins Haus.





Und bekam an der Türe noch mit, wie am zweiten Eingang unserer Einliegerwohnung im unteren Stock zwei oder drei jüngere Leute standen. Zwei Mädels und ein Kerl müssen es gewesen sein, vielleicht 20 bis 25 Jahre alt. Soviel war zu erkennen auf den ersten Blick.


Was zu hören war, erstaunte mich: Meine Mutter, die dem Trio die Türe geöffnet hatte, meinte gerade, sie würde nur ungern ihre Kontodaten der Bank herausgeben. Gleich in dem Moment wurde ich stutzig, schickte sofort meine Partnerin nach unten, griff mir dann das Smartphone (um die Leute zu fotografieren). Die liefen von unserem Haus weg in die eine Richtung.

Ich hinterher, aber als ich draußen war, waren sie schon wieder weg. Einfach so verschwunden. Nicht bei den Nachbarn klingelnd oder drei Häuser weiter, sondern wie vom Erdboden verschluckt. Ich lief die Straßen ab, meine Partnerin fuhr in den anderen Richtungen. Aber nirgends entdeckten wir junge Leute mit roten T-Shirts und den drei Buchstaben des Wohlfahrtsverbandes.

Im Dorf sprach ich ein paar Personen an, ob sie die Leute gesehen haben. Zwei bestätigten mir, dass auch bei ihnen am Tag zuvor jemand von diesem Verband an der Haustüre geklingelt hatte. Beide aber machten nicht auf. Zuhause angekommen stellte sich die Sache so dar, dass diese Personen meine Mutter mehr oder weniger unter Druck gesetzt hatten, um ein Abo abzuschließen für zehn Euro im Monat. Eines der jungen Mädchen hatte meine Mutter geduzt, was wohl Vertrauen erwecken sollte.

Ich informierte vorsichtshalber die Polizei, die auch gleich einen Streifenwagen nach Schonungen schickte. Und ich fragte unsere Nachbarin, noch etwas älter als meine Mutter, ob das Trio auch bei ihr geklingelt hatte. Hatte es! Und zu meinem Entsetzen schloss auch unsere Nachbarin so ein Abo ab – was sie in dem Moment selbst schon nicht mehr nachvollziehen konnte.

Freitagmorgen dann der Anruf und eine Mail bei und an den/dem Wohlfahrtsverband. Die zuständige Mitarbeiterin bestätigte, dass seitens einer Agentur gerade Mitglieder geworben werden bei solchen Haustürgeschäften. Und dass man abgeschlossene Verträge durchaus mit einer Frist sofort wieder kündigen könne.

Dass die jungen Leute plötzlich wie vom Erdboden verschluckt waren, schob sie auf die Uhrzeit und dass eben irgendwann so eine Werbeaktion an der Haustüre ende. Das mit dem Duzen ginge gar nicht, der Teamleiter, also der Mann, würde einen entsprechenden Hineis bekommen. Und ja: Sie könne es sogar verstehen, wenn einem das Vorgehen merkwürdig vorkomme.

Letztlich scheint sich die Geschichte nochmal zum halbwegs Guten zu wenden. Auch wenn ich so eine Methode überhaupt nicht nachvollziehen kann. Zumal die Mitarbeiterin in Würzburg meinte, es stehe den älteren Leuten ja frei, ob sie so ein Abo nun abschließen und Geld spenden wollen oder nicht. Warum aber drängt man sie dann an der Haustüre zum sofortigen Unterschreiben und zur Herausgabe von Bankdaten?

Michael Horling
redaktion@sw1.news


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