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Spitze Zungen: Offener Brief an die ARD-Sendeanstalten zum Thema Lindenstraße


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Liebe ARD,
Sonntag ist es soweit: Die 1758. Folge der Lindenstraße läuft – und mit ihr die letzte nach rund 35 Jahren. Ich werde ein paar Tränen vergießen, so wie ganz viele andere Leute auch, wie man die letzten Monate schon in den sozialen Medien mitbekam. Seit bekannt wurde, dass die Serie eingestellt wird, haben sich die Fans formiert und versucht, Dich als Sender zum Weiterdrehen zu überreden. Das aber lohne sich finanziell nicht mehr hieß es. Und deshalb ist jetzt Schluss.

Liebe ARD, zum Finale gönnst Du meiner Lindenstraße nun fünf Minuten mehr an Sendezeit. Wow! 35 Minuten statt 30 bei der letzten Folge! Das zeigt Deine Wertschätzung gegenüber der Serie. Die geht beziffert gegen Nullkommanull. Na gut, immerhin gönnst Du ihr zuvor die 50-minütige Doku „Bye, Bye, Lindenstraße“. Das aber sicherlich auch nur deshalb, weil es keinen Sport mehr gibt zum Übertragen: Skispringen oder Biathlon. Oder Rodeln: Sinnlos stürzen sich Athleten einzeln eine Eisbahn hinab und kommen alle fast zeitgleich ins Ziel. Wie spannend ist das denn…?


AOK - Keine Kompromisse

Am 05. April, dem nächsten Sonntag, willst Du, liebe ARD, dann um 18.50 Uhr im Rahmen der Sportschau Fußball-Bundesliga zeigen. Blöde gelaufen! Jetzt hättest Du mal lieber wenigstens vier 90-minütige Abschlussfilme der Lindenstraße drehen lassen, was ein halbwegs würdiges Finale gewesen wäre, womit die Fans irgendwie hätten leben können, wenn schon Ende Gelände ist.

Aber nein: Am 29. März läuft ein Verschwörungskrimi-Tatort, am 05. April um 20.15 Uhr der nächste Tatort. Gefühlt gibst Du, liebe ARD, für´s Wochenend-Fernsehen nur noch Geld für einen Tatort nach dem anderen aus. Samstagabend läuft zur besten Sendezeit eine Romantikkomödie, sieben Tage später feiert über drei Stunden lang „Verstehen Sie Spaß“ seinen 40. Geburtstag. Beides werde ich nicht anschauen. Weil ich kein Tatort-Fan bin und weil ich bei jeder Show Angst habe, dass Helene Fischer auftreten könnte.


Liebe ARD, Du wirft die Lindenstraße weg, weil Dir die Quoten nicht mehr ausreichen und weil Du dringend Geld sparen willst. Anscheinend dafür, um bei den Fußball-Rechten weiter mitbieten zu können, um da Millionen auszugeben, damit jedes Pokalspiel von Bayern München live gezeigt werden kann. Partien also, die ich nur dann schaue, wenn ein Gegner wenigstens ansatzweise eine Chance hat.

Gutes Stichwort: Du hast ja auch gar nicht mal im Ansatz darüber nachgedacht, wie Du die Lindenstraße finanzieren könntest. Die Fans hätten gewiss nichts gegen eine Verlegung an einen anderen Tag gehabt, wenn Werbung erlaubt ist. Dann die Serie auf 45 Minuten verlängern mit einem fünfminütigen Block dazwischen, in dem jeweils zehn unterstützende Firmen ihre Produkte anpreisen – damit hättest Du Geld reinholen können.

Stattdessen zeigst Du lieber unter der Woche im Vorabend-Programm ein Quiz nach dem anderen, Krankenhaus- und Polizeiserien, Telenovelas, natürlich viel mit Tieren und Krimis. Immer wieder Krimis. Im Fernsehen laufen fast nur noch Krimis…

Leider finde ich mich bei Dir, liebe ARD, nicht mehr so richtig vertreten. Für mich, der seit 1985 nicht eine Minute (!) der Lindenstraße verpasst hat, war diese Serie etwas, was mir den Alltag versüßt hat. Sie war (und ist es bis Sonntag ja noch immer) leicht zu konsumieren, aber trotzdem gut und intelligent gemacht. Stets mit aktuellen Themen, mit tollen Schauspielern. Die Lindenstraße war (oder ist) das Gegenteil von „Dummfernsehen“, wie es in erster Linie freilich bei den Privatsendern gezeigt wird. Doch die finanzieren sich durch Werbung ja selbst.

In England läuft bereits seit 1960 die Coronation Street im TV – und sie läuft heute noch. Liebe ARD. warum hast Du Dir daran kein Beispiel genommen? Was auf der Insel geht, muss bei uns doch allemal möglich sein. Zumal wenn so viele Anhänger dahinter stehen. So viele Freunde, die wissen möchten, wie Klaus Beimers Liebesleben weitergeht, ob Neyla wirklich zurück nach Tunesien reist, Angelina die mächtigste Person im Viertel wird, Murat seine Sisha-Bar zurückbekommt, wie Gaby und Andy Zenker ihren Alltag verbringen. Ja, letzteres, was ganz banal klingt, hätte mich brennend interessiert.

Ich will nicht auf Alex verzichten, den ich immer gemocht, mit dem ich um Josie geweint habe; Jack hat so viel Potenzial, die könnte ich noch jahrelang ertragen; Vasily – sein Akropolis war immer ein toller Schauplatz, als Komparse wollte ich dort immer eine kleine Rolle spielen; Lea hat sich toll entwickelt – und wer´s nicht weiß: sie wurde in Schweinfurt geboren. Auch Carsten Flöter ist mir längst ans Herz gewachsen, ihm gesundheitlich alles Gute! Du als Sender, den viele auf der Fernbedienung an erster Stelle führen, nimmst sie mir alle weg und bist für mich deshalb das Letzte!

Für mich gilt: Finanziell lohnt es sich nicht mehr, ARD-Programme zu schauen. Ein bisschen schade ist das, weil es durchaus vor allem in den dritten Programmen oft ganz nette Reisereportagen zu sehen gibt. Und weil unter die Öffentlich-Rechtlichen, die ich bezahlen muss, auch das ZDF fällt, Serien wie „SOKO Leipzig“ oder „Letzte Spur Berlin“. Die mag ich. Auch wenn es Krimis sind.

Dies ist ein Aufruf an alle Nicht-Fans der Öffentlich-Rechtlichen, alles dafür zu tun, damit niemand mehr zwanghaft GEZ-Gebühren, derzeit 17,50 Euro monatlich, zahlen muss. Nur wer ARD und Kollegen sehen und hören will, soll diese Beiträge entrichten müssen. Ich möchte mir das Geld künftig sparen, so wie schon seit fast 30 Jahren die Kirchensteuer spare.

Herzlichen Glückwunsch an Helga Beimer zum 80. Geburtstag. Ich hatte das Glück, dass ich Marie-Luise Marjan (die in Wirklichkeit Marlies Wienkötter heißt und im August 80 wird) in meinem Berufsleben zwei Mal persönlich treffen konnte. Eine tolle Frau, die trotz ihres Alters und auch ohne Hansemann oder Erich gerne noch ein paar Jahre in der Lindenstraße mitgespielt hätte. So wie auch diverse andere, lieb gewonnene Akteure.

Die Themen der letzten Wochen hätten es hergebeben, diese Serie noch viele weitere Monate oder Jahre laufen zu lassen. Fast jeden Sonntag 30 Minuten davon waren genau das richtige Maß, um nicht zu viel zu bieten, aber eben 35 Jahre lang stetig ein bisschen was davon. Man konnte sich auf etwas freuen, was das Ende des Wochenendes erträglicher machte.

Alles nun vorbei. Liebe ARD, Du begräbst etwas, was Dich bei wenigstens ein, zwei Millionen Deutschen beliebt gemacht hatte. Die meisten Fans können Deine Entscheidung nicht nachvollziehen. Wirklich Gründe dafür gibt es auch nicht. Mich als Freund hast Du damit verloren, denn Du hättest anders handeln können. Du zeigst mir aber, dass ich Dir scheißegal bin. Trotzdem willst Du mein Geld, um Dich finanzieren zu lassen. Dagegen kämpfe ich ab heute aber an! Verlass´ Dich drauf!

Und am Sonntag fließen bei mir zunächst ein paar Tränen.

Michael Horling
redaktion@sw1.news



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10 Kommentare

  1. Bei mir sind die Tränen geflossen. Bin unfassbar traurig. Ich werde die ARD boykottieren!

  2. Monika Anderson

    Sehr gut und passend geschrieben und mit Sicherheit allen Lindenstraßen-Fans aus der Seele gesprochen.
    Ich selbst schaue auch seit Folge 1 und bin sehr enttäuscht über diese mir unerklärliche Entscheidung.
    Auch für mich war nur die Lindenstraße ein Grund um ARD zu schauen.
    Ich werde die Lindenstraße sehr vermissen.

  3. Hallo Herr Horling,
    Sie haben mir so aus der Seele gesprochen.
    Ich bin auch so enttäuscht ,dass sich die ARD nicht mal die 30 Minuten in der Woche erlauben kann zu drehen.😱
    Natürlich nicht will.!!!!!!
    Alles andere wurde schon gesagt.😥

  4. Eloquent und zutreffend! Chapeau!!

  5. Wie kann man sich Ihrem Protest anschliessen, Herr Horling? Ich habe keinen TV und konsumiere nichts von den Öffentlich-Rechtlichen. Bis auf einmal die Woche die Lindenstrasse – im Internet. Deshalb ärgern mich die Gebühren umso mehr, 17,50 Euro monatlich für Nichts. Ich werde die Lindenstrasse vermissen, das Trostpflaster am Sonntagabend, dass den nahenden Montag versüsst hat. Ich hoffe, es wird ein Wiedersehen bei den Privaten geben!

    • mh

      wollen wir uns was einfallen lassen, um den dicken ARD-Mitarbeitern den Zugang zum billigen Geld der Bürger zu vermiesen?

      • Marion Mehringer

        TOLL und mir voll aus dem Herzen geschrieben. Ich werde auch die Geldhaie der ARD meiden die nur an Profit und nicht an denen denken die das zahlen. Bin mit der Lindenstrasse alt geworden und Sonntag Lindenstrasse musste sein. In der heutigen Zeit ein bisschen Freude wäre schön gewesen.

    • Das ein intendant alleine und sebstherrlich entscheidet, was gezeigt wird und was nicht ist schon sehr verwunderlich. Die lindenstrasse war noch eine der wenigen serien mit herz, verstand und einem vernünftigen bildungsniveau. Wir sind diejenigen, die euch mit finanzieren, aber unsere wünsche werden nicht berücksichtigt. Es lebe der kapitalismus.

  6. Ein sehr treffender Brief, Herr Horling!

    mit der Absetzung der Lindenstraße verabschiedet sich auch das Erste von seinen einstigen Werten. Jetzt zählt nur noch Quotengeilheit und Profit – und das bei einer Pauschalfinanzierung durch die Rundfunkgebühren.
    Die Lindenstraße ist eine engagierte und traditionsreiche Serie – ein Unikum in der deutschen Fernsehlandschaft. Es gibt keine andere Serie, die Themen abseits den Mainstreames aufgreift. Jetzt gibt es nur noch Mord und Totschlag oder Krankenhausbesuche im Ersten. Alles auch nicht meine Welt…

    Mit dem Ende der Serie müssen wir uns auch von vielen langjährigen Charakteren verabschieden, die uns solange begleitet haben, dass die sonntägliche halbe Stunde fast wie ein Besuch bei Nachbarn wirkte, weil einen alle vertraut waren. Wir sahen Kinder erwachsen werden, selbst älter werden, Familienfeste, Feiertage und Wahlen – alles, was das Leben der Bundesbürger strukturiert. Es wird vermutlich keine Serien nach der Lindenstraße geben, wo Beziehungen wie die von Andy & Gabi über dreißig Jahre gezeigt werden. Das alles sind Gründe für die Einzigartigkeit der Serie.

    Für die ARD ist es wirklich eine Bankrotterklärung ihres ureigenen öffentlich-rechtlichen Auftrages. Da gehen die Quoten im linearen Fernsehen nach über dreißig Jahren runter und denen fällt als Lösung nur die Absetzung ein. Das ist nicht nur schwach, das ist unprofessionell – und Unprofessionelle will ich nicht finanzieren. Dabei hat der Sender mit seiner Programmplanung zur Serie daraufhin gearbeitet, dass die Zuschauer ins Internet abwandern. Jetzt, wo es u. a. bei Facebook fast eine halbe Million Fans gibt (dazu kommen ja noch andere Netzwerke), begründen die die Absetzung mit den linearen Quoten? Es stellt sich daraus leider bitte die Erkenntnis, die Sie so treffend benannt haben: Der Zuschauer ist dem Sender scheißegal.

    Auch ich ziehe nach dem Ende der Lindenstraße für mich die Konsequenz, dass mir dieser Sender für mein Geld nichts mehr bieten kann. Bei der Lindenstraße hoffe ich auf ein Comeback bei einem Privaten oder im Netz. Ich sage nicht „Auf Wiedersehen, Lindenstraße“, sondern „Und tschüß, ARD“.

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