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Basti Steger verletzt? Egal, dann gewinnt eben Kilian Ort gegen einen Top-Mann und Abdel Salifou erstmals – und gleich doppelt


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BAD KÖNIGSHOFEN – Die Segel standen eigentlich auf Halbmast. Die Vorfreude auf dieses Spiel der Tischtennis-Bundesliga war nicht nur wegen der fehlenden Zuschauer getrübt. Nein, weil es mit den Genickschlägen und Verletzungen bisher ja nicht reichte, zog sich am Freitagabend beim Training im Kühlhaus Shakehands-Arena auch noch Basti Steger eine Rückenverletzung zu.

Und die ließ beim letzten Test am Sonntagvormittag ein Mithelfen bei der Herkules-Aufgabe gegen den Deutschen Pokalsieger 2020 und Halbfinalisten 2021 nicht zu. Doch was wurde Sonntag dann nicht alles auf den Kopf gestellt. Auch Kilian Ort musste erst therapeutisch spielfähig gemacht werden, mit Risiko verbunden. Ohne Fans, die hochgelobten im deutschen Tischtennis-Land, die, nach Aussage der Spieler, so viele Bälle mit gewinnen. Ein Wang Xi beim Gegner, der alle seine acht Einzel bisher gewonnen hatte. Ein Salifou, der noch nichts gewonnen hatte. Wettquoten hätten für eine Heimniederlage nicht viel hergegeben.


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Dann gewinnen diese vermeintlichen Zuschauer-Günstlinge zum zweiten Mal ein Heimspiel vor leeren Rängen. Die Arena, die bei der Begrüßung noch eine gespenstische Atmosphäre ausstrahlte, wurde gegen kurz vor 18 Uhr zum Tollhaus der Mannschaft und eines zwölfköpfigen Helferstabs. Wovon die drei Vertreter von Presse, Rundfunk und Fernsehen mitgerissen wurden, ob sie wollten oder nicht. Das war ein demonstratives Signal an alle, die schon von Abstiegsangst geträumt hatten. Als der stellvertretende Hallensprecher Jürgen Hoffmann bei der Begrüßung völlig emotionslos sagte, „Bastian Steger wurde heute an Position 4 gesetzt“, wussten die Wenigen: Er spielt überhaupt nicht.


Der von Chef-Taktiker Koji Itagakio als Nummer 1 nominierte Abdel Salifou, der bisher im TSV-Trikot sieglos geblieben war und zumindest persönlich mächtig unter Druck stand, sollte es richten. Die Gäste hatten den Dänen Tobias Rasmussen auf 2 gestellt. Wenn Salifou denn überhaupt eine Chance einzuräumen war, dann gegen ihn. 13:11 im ersten Satz und 12:10 im zweiten: Insgesamt 25 Mal durfte er seine geschätzte 20 Meter lange Ehren- bzw. Aufputschrunde nach jedem Ballgewinn drehen, benötigte jeweils vier Satzbälle. Wenn schon einen Satz verlieren, dann g´scheit, würde der Grabfelder sagen: Salifou gab den dritten Satz mit 4:11 ab und schlug im vierten siegbringend zu – 11:8. Endlich, eine Zentnerlast schien ihm von den Schultern gefallen nach seinem ersten Sieg im TSV-Trikot. Eine gute Basis.

Dann musste Kilian Ort gegen den in dieser Saison noch unbesiegten (8:0) Wang Xi ran. Zwei Mal schon hatte er ihn, als er noch für Fulda spielte, auf der Schippe, hat mit seinem Elefanten-Gedächtnis viel daraus gelernt. Diesmal war Xi, der Matchwinner von vier Grünwettersbacher Siegen, reif. Die unberechenbare Taktik dieses 36-jährigen Deutsch-Chinesen besteht darin, dass er entweder keine hat oder dass er sie ständig von Abwehr auf Angriff und umgekehrt wechselt, man weiß nur nicht wann. Um aber den „Killy“ in seiner momentanen Form zu schlagen, braucht auch ein gehöriges Stück Arbeit und Konzentration. Kurzum, der Ur-Königshöfer spielte in der Aruna-Form vom Sieg gegen Fulda, wenn nicht sogar noch stärker. Er gewann den ersten Satz 11:8, verlor den zweiten nach Aufholjagd von 6:10 aus noch 10:12 und kam im dritten mit 11:3 zurück. Im vierten zeigte er Nerven wie Drahtseile, verdaute Netz-plus-Kanten-Bälle en masse und gewann mit 12:10. Es war Xi´s erste Saison-Niederlage, seine zweite sollte noch folgen.

Von wem würde der ersehnte dritte Sieg kommen können? Oder würde es laufen wie schon so oft nach einer solchen Führung? Zu schmelzen begann diese, als sich Filip Zeljko dem Nationalspieler Dang Qiu nach vier Sätzen beugen musste. Kilian Orts Freund seit der Schülernationalmannschaft kennt Zeljkos Problemzone Rückhand natürlich auch und ist ein intelligenter Spieler dazu. Er zog die Taktik, ihn dort fest zu nageln vom ersten bis zum letzten Ballwechsel durch, so dass Zeljko insgesamt gefühlt keine fünf Bälle mit seiner bärenstarken Vorhand spielen konnte – nur noch 2:1 für den TSV und die Königshöfer in der Halle und wahrscheinlich auch daheim an den Bildschirmen begannen zu rechnen. Für Salifou würde Wang Xi wohl doch zu stark sein. Also doch wieder das Schlussdoppel, mit dem man so oft unglückliche Erfahrungen gemacht hatte.

Doch bei Abdel war der Knoten geplatzt und das Knallen klang auch Xi in den Ohren. Nach 1:2-Satzrückstand (11:8/6:11/5:11) schien allerdings das Vertrauen in ihn überstrapaziert. Schließlich hatte er bisher noch nicht viele Argumente liefern können. Bei 6:9 und 9:10 war er am Abgrund. Dann folgte der Reflex: Er gewann ihn 12:10 und den fünften 11:9. Die wunderbare Wandlung vom Loser zum Matchwinner trieb Abdel Kader Salifou zum Winken und Bedanken in jeden Winkel der Arena. Auch hinauf zur Tribüne. Bis er wahrnahm, dass gar niemand da war, sich den Zeigefinger an die Schläfe setzte und lachte.

Nach sechs von 22 Saisonspielen ist der TSV Bad Königshofen nun mit vier Punkten Tabellenneunter. Am Sonntag, den 22. 11., und am Freitag, den 27. 11., stehen in Mühlhausen in Thüringen und in Ochsenhausen die nächsten Partien auswärts an, ehe am Sonntag, den 19.11. – wieder vor keinen Fans – zum nächsten Heimmatch der TTC Zugbrücke Grenzau ins Grabfeld reist. Achter, Fünfter und Elfter sind die kommenden Gegner, Schlagbar, wenn man bedenkt, dass Grünwettersbach noch immer Platz vier belegt…

TISCHTENNIS, Bundesliga Herren:
TSV Bad Königshofen – ASV Grünwettersbach 3:1

Ergebnisse:
Abdel Salifou – Tobias Rasmussen 3:1
(13:11/12:10/4:11/11:8)
Kilian Ort – Wang Xi 3:1
(11:8/10:12/11:3/12:10)
Filip Zeljko – Dang Qiu 1:3
(8:11/11:8/2:11/8:11)
Abel Salifou – Wang Xi 3:2
(11:8/6:11/5:11/12:10/11:9)
Oberschiedsrichter: Sven Trautwein
Zuschauer: keine

Text und Fotos: Rudi Dümpert für SW1.News



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