Home / Specials / Schnüdel / Die Trikot-Possen des FC 05: Von Goldenen Löwen und kleinen Hemden

Die Trikot-Possen des FC 05: Von Goldenen Löwen und kleinen Hemden


Sporttreff 2000 - Niederwerrn Oberwerrn

SCHWEINFURT – 2002, 2003 und 2004 waren an sich auf den ersten Blick gar keine so schlechten Jahre für den FC Schweinfurt 05. Die Schnüdel spielten in der damals weitaus attraktiveren Regionalliga Süd drittklassig und beispielsweise gegen die TSG Hoffenheim, deren erste Mannschaft, damals trainiert von einem gewissen Hansi Flick…

Nach dem Abstieg aus dre 2. Bundesliga im Sommer 2002 ging es zwar recht turbulent zu, folgten Hans-Jürgen Boysen und Rainer Hörgl im Jahresrhythmus als Coach auf Djuradj Vasic. Doch die Grün-Weißen schafften zwei Mal den Klassenerhalt. Wenig später aber schlitterten sie in die Insolvenz. Und das hing in erster Linie mit Unseriosität zusammen und einer Trikot-Posse nach der anderen.


Abenteuer & Allrad



Im März 2004 deutete sich das Unheil an, als die Medien, die danach vom Vorsitzenden Gerhard Hertlein als unerwünschte Personen bezeichnet wurden, aufdeckten, dass der FC 05 scheinbar einer Art Betrug aufgesessen waren. Die Mini-Dress-Collection“ wurde auf den Trikots beworben, Fußballhemden für die Autoscheiben. Inhaberin Brigitte Breyer-Lindner soll 290.000 Euro dafür gezahlt haben. Zu einem Zeitpunkt, als der FC 05 finanziell wohl bereits mit einem Bein im Grab stand.


Und Brigitte Breyer-Lindner anscheinend ebenso. Jedenfalls deckte die Zeitung damals auf, dass die Geldgeberin mehrfach eidesstattliche Versicherungen abgegeben habe – als sie Sponsor wurde beim FC 05. Dass sie also zahlungsunfähig war. 2003 soll sie gut gut wie pleite gewesen sein. Aber wo kam dann das Geld her? Oder floss damals gar kein Geld?

Jedenfalls präsentierten die Schnüdel gar nicht so viel später einen neuen Hauptsponsor: Das in Österreich – wo auch sonst? – hergestellte Energy-Trendgetränk „Golden Lion. Gleich bis Sommer 2006 sollte wieder eine sechsstellige Summe fließen. Die Golden Lion Energy Group GmbH mit ihrem Sitz in Schweinfurt wollte von der Kugellagerstadt aus das in Wien produzierte Getränk vertreiben. Nicht nur bundesweit. „Ziel ist weltweit, versicherte damals Mesut Cat, ein waschechter Schweinfurter, der heute in Bergrheinfeld die Catsped GmbH führt, ein Transport- und Logistikunternehmen für die Abwicklung zwischen der EU und der Türkei. Und der in Verbindung steht mit einer Cafe- und Bistro- Lounge in Schweinfurt.

Der damalige Vizepräsident Jochen Haberle, danach bei einigen Vereinen im Spielkreis Rhön als Trainer aktiv und 2005 kurz vor der Insolvenz der Schweinfurter genauso wie der langjährige Vereinsboss Gerhard Hertlein von heute auf morgen zurückgetreten, sprach damals im März 2004 von „schönen Trikots mit einem interessanten Werbepartner. Der FC 05 sprach bei der Präsentation davon, zur folgenden Saison würde „Golden Lion die „Mini-Dress-Collection ablösen als Werbepartner auf den Trikots – und Brigitte Breyer-Lindner würde in den Pool der Co-Sponsoren weichen. Und „Golden Lion würde schon in der laufenden Runde für ebenfalls sechsstellige Summe einsteigen. Das alles aber entpuppte sich als Märchen. So wie anscheinend auch die Behauptung, Breyer-Lindner hätte die zweite Rate über 145.000 Euro gezahlt.

Trokots mit dem Schriftzug des Energy-Trendgetränks trugen die Spieler nie. Interessant freilich, dass es Hinweise zu Golden Lion im Internet heute noch gibt. Geschäftsführer einer höchst amateurhaften Seite im Internet ist ein Mag. E. Achunow. In der Rubrik Sponsoring findet sich noch immer die Geschichte mit dem FC 05, bei der Promotion wirbt man mit der Poppenhäuser Bierwoche, die es schon fast zwei Jahrzehnte nicht mehr gibt. Fünf Produkte werden beworben, darunter die ORGAZMA-Dose, ein stimulierendes Spezialgetränk mit Ginsengextrakt für den gewissen Höhepunkt.

Im Juni 2004 mussten die Schnüdel schon wieder bangen um die Lizenz. 1,75 Millionen Euro an Schulden doll man damals angehäuft haben. Alles Altlasten in Verbindung mit dem Wahnsinn in Sachen Trikots. Als Vorstandsprecher brachte Jochen Haberle dann eine Investorengruppe aus Thailand ins Spiel. Die 500.000 Euro zugesagt, aber noch nicht gezahlt hätte. Und die für weitere 455.000 Euro bürgen würde. Der Geldkoffer freilich erreichte Schweinfurt nie. Im Sommer das Ende: Die Lizenz für die Regionalliga gab´s nicht mehr.

Der FC 05 spielte unter Profibedingungen in der Bayernliga weiter, freundschaftlich gegen 1860 München und gegen Nizza, jeweils mit Trikots mit der Aufschrift „Druck & Satz“, der Firma Gerhard Hertleins. Wenige Wochen später freilich war der Verein zahlungsunfähig, wurde an´s Tabellenende gesetzte, spielte die Runde außer Konkurrenz weiter und startete 2005, im Jahr des 100. Geburtstags, in der Landesliga Nord ganz neu. Mit erst leeren Trikots, danach mit dem Freizeitbad Silvana darauf. Und mit einem blutjungen Zugang aus Kitzingen namens Adam Jabiri…

2007 ging es zurück in die Bayernliga, nach dem Wiederabstieg 2009 ein Jahr später nochmals. 2013 erfolgte der Aufstieg in die Regionalliga Bayern. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Und to be continued…

Man stelle es sich freilich mal vor: Nicht Red Bull, sondern Golden Lion wäre die Nummer eins bei den Energy-Getränken, Mesut Cut hätte Milliarden damit verdient. dem FC 05 eine Arena gebaut und ihn in die Bundesliga oder gar Champions League geführt. 2003 oder 2004 gab´s ja RB Leipzig noch nicht einmal. Und Hoffenheim war ein biederer Regionalligist, Hansi Flick ein Trainer von hunderten in Deutschland…


Wir sind Partner des Fußballs:
GW Wohnungsbau
Fürst KFZ Meisterbetrieb
Freizeit-Land Geiselwind
Kanal-Türpe
Winnerplus


Nutze die kleine rote Glocke unten rechts um aktuell informiert zu werden!
Folge uns auf Facebook | Twitter | Instagram


© 2fly4 - Alle Angaben ohne Gewähr!
Fotos sind ggf. beispielhafte Symbolbilder!
Kommentare von Lesern stellen keinesfalls die Meinung der Redaktion dar!