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Glockengeläut bis nach dem ersten Matchball: Wieso Bad Königshofen am Wochenende zwei Tischtennis-Partien verlor


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BAD KÖNIGSHOFEN – Es war kein so schönes Wochenende für die Tischtennis-Profis des TSV Bad Königshofen. Die verloren nämlich zwei Mal auswärts: Im Pokal und in der Bundesliga, wo sie nach sieben Partien Sechster sind mit 6:8 Punkten. Das nächste Match findet zuhause am 31. Oktober in der Shakehands-Arena gegen Werder Bremen statt.

Krumme Dinger hinterm Rücken



BERGNEUSTADT – Bergneustadt und seine „Schwalben“ deckten es auf: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Nicht für den TSV Bad Königshofen und seine Mannschaft, die mit einem Sieg einen mächtigen Schritt Richtung Klassenerhalt hätte tun können, stattdessen wieder einmal gegen einen dahinter platzierten Gegner ein Spiel verlor. Es hätte ein Befreiungsschlag für die ganze Saison sein können.


Sie wachsen nicht in den Himmel für den erfolgreichsten Punktesammler Bastian Steger, der zwar die Nr. 4 von Deutschland, den Olympiateilnehmer Benedikt Duda besiegen konnte, aber gegen den schwächer eingeschätzten Alberto Mino unterlag. Der wiederum entpuppte sich als der Held des Abends, gewann Einzel und auch das Doppel. Der Ecuadorianer spielte wie im Rausch. Und sie wachsen auch nicht in den Himmel für den Neuzugang Maksim Grebnev. Er unterlag nach einer stressigen Woche inklusive Anreise bis hin zum ersten Spiel gegen Benedikt Duda (WR-38.), den er noch vor einer Woche bei der Team-EM schlagen konnte. Und im Schlussdoppel war er, der amtierende Europameister im Doppel, auch nicht das Zugpferd und die Unterstützung für Kilian Ort, der eine tadellose Vorstellung in Einzel und Doppel lieferte.

Schlussendlich zeigte das zweite Spiel des Tages wieder einmal, wie wenig Prognosen und Hochrechnungen über etwaige Punktgewinne zählen, sondern auch die Tagesform, abhängig auch von mancher unmittelbaren Vorgeschichte. Im ersten Match bekam Grebnev nämlich Dudas Revanche von der EM zu spüren. Dabei zeigte er zunächst eine bärenstarke Vorstellung im ersten Satz (11:4). Dann ging er aber noch mit 1:3 (-6/-5/-6) regelrecht unter. Ob diese Szene eher fair oder eher naiv war: Als er im zweiten Satz bei 1:4 einen Fehler zugab, den weder die zwei Schiedsrichter, noch sein Gegner gesehen hatten? Er habe beim Aufschlag mit seinem Schläger sein Trikot berührt. Darf er nicht, keine Frage. Niemand hätte es bemerkt. Und die Unparteiischen mussten erst beraten, ob sie ihn für seine Ehrlichkeit bestrafen. Dann klappten sie die Tafel auf 1:5. Ausgerechnet bei der Vorgeschichte mit sieben unberechtigten Punktabzügen gegen den TSV, null gegen Bergneustadt in der letzten Saison. Beim Spiel gegen Duda! Charakterstark war´s auf jeden Fall von Grebnev. Und mit seinem Zirkus-reifen Weltklasseschlag, einem krummen Ding hinter dem Rücken, mit rechts links vorbei auf den Tisch, machte er auch wieder einen Punkt.

Während Grebnevs Punktbeitrag zwar erhofft, aber nicht zwingend zu erwarten war, spekulierte, wer Basti Steger kennt und Alberto Mino ein wenig, dass jetzt der Ausgleich kommen würde, selbst im Lager der Oberbergischen. Doch Mino (WR-76.) spielte im Vergleich zu seiner bisherigen negativen Saisonbilanz in einer anderen Liga, wie im Rausch. Ihm gelang, was er anpackte, im Einzel wie im Doppel. Steger, der die drei Tage vorher wegen Rückenproblemen nicht trainieren konnte, kam im ersten Satz überhaupt nicht ins Spiel. Im zweiten vergab er bei 9:9 zwei eigene Aufschläge. Der dritte machte Hoffnung und im vierten musste er immer Rückständen hinterher laufen und unterlag mit 1:3. Zur Pause also 0:2 hinten, da war trotzdem noch nichts verloren. Denn jetzt traf Kilian Ort im Dreier-Duell auf den Spanier Alvaro Robles (WR-62.) und nahm ihn in die Liste der Top-Hunderter auf, die er schlagen konnte.

Es war eine unglaublich starke Vorstellung des Königshöfers. Kilian zog mit höchster Konzentration seinen Matchplan konsequent durch, blieb dabei aber flexibel, so dass er auf Umstellungen der Taktik seines Gegners jederzeit reagieren konnte. So fand er meistens die richtige Antwort und ließ sich auch in Satz drei nicht aus der Ruhe bringen, in dem Robles plötzlich eins bis zwei Klassen besser zu spielen schien. Mit 9:8 ging er erstmals in Führung, sein Matchball scheiterte aber an einem Netzroller. 10:12 und Ort musste in den vierten Satz, Bei 11:7 war der Urschrei da und die Ort-Faust oben. Und der „TSV-Arbeitskreis Stimmung“ der Familien Weber (Bad Königshofen), Köber (Köln), Piechotta (Düsseldorf) und Lediger (Hürth) in der Halle schöpfte wieder Hoffnung.

Voraussetzung: Ein Sieg von Steger gegen Duda. Eindrucksvoller hätte sich der Basti, der ja so gut wie nie beide Spiele verliert, nicht zurück melden können. Bei ihm waren bei 12:10/11:3/11:9 gleich beide Fäuste oben, so dass es zum Shooting Out im alles entscheidenden Schlussdoppel Ort/Grebnev gegen Robles/Mino kam. Die TTC-Rechts-Linkshänder-Kombi spielte von Beginn an wie aus einem Guss, wie eine Einheit, wie eine Person, die mit sich selber keine Abstimmung benötigt. Ort/Grebnev lagen 0:2 hinten, glichen aus und konnten den mentalen Vorteil doch nicht nutzen: 8:11 im fünften Satz und 2:3 insgesamt.

TTC Schwalbe Bergneustadt – TSV Bad Königshofen 3:2
Benedikt Duda – Maksim Grebnev 3:1
(4:11/11:6/11:5/11:6)
Alberto Mino – Bastian Steger 3:1
(11:6/11:9/8:11/11:4)
Alvaro Robles – Kilian Ort 1:3
(7:11/8:11/12:10/7:11)
Duda – Steger 0:3
(10:12/3:11/9:11)
Robles/Mino – Ort/Grebnev 2:3
(11:6/11:4/4:11/10:12/11:8)

Das Aus im Pokal

MÜHLHAUSEN – Das Wochenende endete für den TSV Bad Königshofen am Sonntag, wie es am Freitag angefangen hatte: Mit einer Niederlage, diesmal allerdings mit einer klaren und verdienten. Es musste natürlich wieder einmal der Pokal herhalten, in dem es mit einer Ausnahme in den letzten neun Jahren in der 2. und 1. Bundesliga nie für die zweite Runde reichte. Nach dieser Vorstellung mit dem Konjunktiv „hätten“ zu kommen, verbietet sich von selber. Der Pokal wäre der kürzeste Weg zu einem großen Endspiel gewesen.

Und dass die Königshöfer schon alle Größen dieser Liga außer Saarbrücken besiegen konnten, ist bekannt. Die Mühlhausener, gegen die man ja in der TTBL vor ein paar Wochen erstmals (3:2) gewinnen konnte, „ haben es richtig gemacht“, hob der TSV-Manager Andy Albert die Bedeutung der Einstellung hervor. „Sie gingen ganz locker da rein, wollen heuer nur die Liga erhalten, und hauten sich dann alle drei voll rein. Während wir uns vielleicht doch etwas zu viel Druck gemacht haben.“ Ein schlechtes Spiel haben die TSV´ler standesgemäß in jeder Saison. Sollte es dieses gewesen sein, kann es nur noch besser kommen.

Bei Maksim Grebnev zeigte sich, so Andy Albert, wie ihn „diese zwei Europameisterschaften bei allerhöchster Konzentration, allerdings auch Erfolgen, im Liga-Alltag herunter gezogen haben, weil er sich auf einmal selber zu viel Druck macht.“ Diesen Daniel Habesohn hatte er bei jener EM in Rumänien genau so besiegt wie Benedikt Duda. Und er verlor wie gegen Duda auch zwei Tage später gegen ihn, ja er ging regelrecht mit 0:3 unter. Wieder konnte er keinen Druck von der Mannschaft nehmen, sondern erhöhte ihn sogar. Wobei dem Österreicher eine Durchschnittsleistung zu einem Top-Ergebnis (11:9/11:6/11:5) reichte. Auf einen klar erkennbaren Matchplan ließ Grebnevs Spiel nicht schließen. Er versuchte alles viel zu hektisch und variierte nur mit der Art seiner Fehler. Seinen Team-internen Vorsprung gegenüber Filip Zeljko konnte er mit dieser mäßigen Vorstellung jedenfalls nicht vergrößern.

Bastian Steger verlor gegen den Rumänen Ovidiu Ionescu wie schon beim letzten Aufeinandertreffen. Ein Leckerbissen à la Steger war es nicht. Dass er aber nicht alles versucht hätte, konnte man ihm schon gar nicht vorwerfen. Nur wer davon wusste, dem fiel auf, dass er sich immer wieder an seine lädierte Hüfte fasste. Nur gut, dass er bis zum nächsten Einsatz (31. Oktober gegen Werder Bremen) drei Wochen zur Genesung hat. Das längste Spiel des Tages ging über fünf Sätze, davon zwei Mal bis 15:13. Diese waren auch die von Steger gewonnenen mit zusammen zehn Satzbällen. Die drei anderen verlor er mit jeweils 8:11. Und so ging man in die Pause mit einem 0:2-Rückstand, wie am Freitag in Bergneustadt.

Dort holte die Mannschaft auf 2:2 auf und das Doppel Ort/Grebnev nach 0:2 Sätzen ebenfalls auf 2:2. Dort blies Kilian Ort mit dem 3:1 gegen Alvaro Robles zur Aufholjagd. Hier oblag ihm derselbe Auftrag gegen den 1,92-m-Hünen Steffen Mengel, auf den die Thüringer im Ligaspiel zugunsten ihres französischen Neuzugangs Bertrand verzichtet hatten. Der ehemalige Nationalspieler bestätigte mit seiner engagierten und vor allem klugen Vorstellung, dass das ein Fehler gewesen war. Er holte sich die ersten zwei Sätze mit 11:8 und 11:7, Ort den dritten mit 11:9. Und bei 9:9 im vierten Satz erhielten die Thüringer kirchlichen Beistand. Natürlich war es Zufall oder ein nicht zu ergründendes Ereignis. Aber bei 9:9 drang auf einmal von der benachbarten Marienkirche, der zweitgrößten Kirche des Freistaats, ein mehrstimmiges Glockengeläut in die Posthalle, das erst nach dem Matchball zum 15:13 für Mengel ausklang.

Es war, wenn man so will, ein symbolträchtiges Ende der Königshöfer Pokalhoffnungen. Und ein unwürdiges für Orts mit großem Kampfgeist und brutaler Risikobereitschaft geführtes Duell: Sein Aufschlag bei 13:14 landete am Netzpfosten – 13:15 – Ende.

DTTB-Pokal-Achtelfinale:
Post SV Mühlhausen – TSV Bad Königshofen 3:0
Ergebnisse:
Daniel Habesohn – Maksim Grebnev 3:0
(11:9/11:6/11:5)
Ovidiu Ionescu – Bastian Steger 3:2
(13:15/11:8/11:8/13:15/11:8)
Steffen Mengel – Kilian Ort 3:1
(11:8/11:7/9:11/15:13)

Rudi Dümpert für SW1.News und Rhön1.News


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