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Große Enttäuschung im letzten Heimspiel des Jahres: Ein Déjà-vu für den TSV Bad Königshofen, wenn die Play-Offs winken

BAD KÖNIGSHOFEN – Die Mannschaft des TSV Bad Königshofen hatte sich so viel vorgenommen, wollte den 415 Zuschauenden gegen den Aufsteiger und Tabellenletzten FSV Mainz 05 zu Weihnachten einen Heimsieg schenken. Heraus kam eine Riesen-Enttäuschung.

Von Unterschätzen seitens der Spieler indes keine Spur. Sie konnten sich auf die Stärken ihrer Gegner und deren Bilanzen (Muramatsu 11:2, Mladenovic 2:8) vorbereiten. Die Stammzuschauer und die neu Hinzugekommenen hatten eine andere Rechnung aufgemacht. Wer in Saarbrücken, gegen Bergneustadt, Grenzau und Fulda gewinnt, wird doch auch gegen Mainz drei Punkte für mindestens ein 3:2 zusammenbringen.

Doch sie hatten die Rechnung ohne den Wirt, sprich, ohne diesen noch lange nicht abgestiegenen Gegner gemacht: Mit seiner hohen Moral, seinem nur Insidern bekannten Personal und dessen Potenzial, besonders aber mit seinem in dieser Halle noch nie so entscheidenden Schläger-Material. Gewiss kann sich jeder seinen Schläger so zusammenstellen, wie er will und wie er ihn am besten beherrscht. Und es gehört auch ein Stück weit Reife dazu für den Spieler auf der anderen Seite des Tisches, dass er damit in den maximal fünf Sätzen zurecht kommt.

Daran hakte es besonders bei einem Spieler, Yukiya Uda, der sogar die ersten zwei Sätze gewonnen hatte. Doch zunächst ging ja die Rechnung mit drei Unbekannten auf. Bastian Steger erledigte seine Hausaufgabe gegen Andrei Putuntica (11:7/11:8/11:2) mit Bravour. Er fungierte als der sportliche Aufwärmer für manche mit Decke und Anorak Gekommene. Basti hatte den Moldawier ganz sicher im Griff und verdiente sich die Respekt-beladenen stehenden Ovationen mit Recht. Jene Rechnung war also zu einem Drittel bezahlt. Muramatsu durfte ihr zufolge zwei Einzel gewinnen, wenn die beiden anderen und das Doppel gewonnen würden.

Doch so funktioniert Tischtennis-Mannschaftssport nun mal nicht. Beinahe hätte sie Kilian Ort im positiven Sinn durchbrochen. Er führte gegen den Spitzenspieler der Gäste Yuto Muramatsu schon sensationell mit 2:0 Sätzen. „Killy“ zeigte sich wieder einmal als Defensiv-Killer und scheiterte doch im fünften Satz um Millimeter an Netzroller und Tischkante bei einem Ball zum 10:11 anstatt 11:10. Die ersten beiden Sätze zog er durch höchste Geduld, Taktik und Dynamik und die rechte Dosierung seiner Angriff-Topspins für sich. Elf Gegner hatte Muramatsu, der Koi aus dem unerschöpflichen Tischtennis-Becken der Japaner, bis dahin schon zermürbt. Und nun hatte ihn Kilian an der Angel – aber halt noch nicht im Kescher.

Als er den dritten Satz abgeben musste, zog Hallensprecher Jürgen Halbig selbst daraus Positives: „Das Gute dran, wir sehen noch einen Satz auf Weltklasse-Niveau.“ Das war wirklich sensationell, was diese beiden Ausnahmekönner an Ballwechseln zu bieten hatten. Es war schade, dass Kilian Ort für so eine Weltklasseleistung nicht belohnt wurde. Und für seine Schwerstarbeit, die er auch im vierten und fünften Satz leistete. „Das Spiel bekommt, was es verdient, einen fünften Satz“, blieb Halbig weiterhin positiv. Im Krimi an dessen Ende war Muramatsu mit 10:7 eigentlich schon durch, doch Ort glich aus. Die nächsten zwei Bälle für ihn und die Sieg-Rechnung wäre wohl kein Problem mehr gewesen. Doch dann kam dieser Netzroller und der unerreichbar an die Tischkante und das 12:10 für den Tischtennis-Edelfisch aus Japan – nach 40 Minuten heroischem Kampf von beiden. Sie waren die sportliche Zentralheizung im Kühlhaus Shakehands-Arena.

Was der TSV-Japaner Yukiya Uda nach der Pause allerdings zu bieten hatte, kühlte die Temperaturen und Mienen vieler Zuschauender wieder herunter. Dass er nach vielleicht viel zu leichter 2:0-Satzführung versäumte, den Posten zwei der Siegrechnung zu begleichen, enttäuschte mindestens so sehr wie seine Körpersprache, als es für ihn die Saale runter ging. Gewiss ist dieser aus Luxembourg stammende Luka Mladenovic mit seinem „Brett“, dem „Anti“-Belag und seiner unorthodoxen Spielweise schwierig zu spielen. Es haben aber schon acht andere Spieler der Liga geschafft, ihn zu besiegen. Nur Uda nicht, der erst locker und leicht, dann verkrampft und ratlos, am Ende hilflos und leblos wirkte.

Die Niederlage seiner Mannschaft konnte Bastian Steger im Einser-Duell gegen Muramatsu nicht verhindern. Aber er kämpfte wie ein Löwe um jeden Ball und bei jedem Spielstand. Ein Zuschauer, der die Bedeutung des Schlägermaterials erkannt hatte, empfahl, als es den Bach runter ging, „man solle sie die Schläger tauschen lassen.“ Es war wirklich eine Materialschlacht gegen diese Mainzer, die aber schon sieben andere Gegner für sich entscheiden konnten. Viel Zeit zum Grübeln bleibt den Königshöfern nicht, müssen sie doch schon diesen Mittwoch in Mühlhausen wieder antreten.

Tischentennis, Bundesliga: TSV Bad Königshofen – FSV Mainz 05 1:3
Bastian Steger – Andrei Putuntica 3:0
(11:7/11:8/11:2)
Kilian Ort – Yuto Muramatsu 2:3
(11:6/11:8/8:11/8:11/10:12)
Yukiya Uda – Luka Mladenovic 2:3
(11:7/11:6/4:11/7:11/6:11)
Steger – Muramatsu 0:3
(6:11/10:12/3:11)
Zuschauende: 415

Text und Fotos: Rudi Dümpert für Rhön1.News



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