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„Jeder ist rumgesprungen wie Flummi!“: Vor genau 20 Jahren stieg der FC 05 in die 2. Bundesliga auf


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SCHWEINFURT – Der 26. Mai 2001 war ein ganz besonderer Samstag in der Geschichte des 1. FC Schweinfurt 05. Ziemlich überraschend stiegen die Schnüdel am letzten Spieltag der Regionalliga Süd als Dritter doch noch in die 2. Bundesliga auf. Womit zu diesem Zeitpunkt schon niemand mehr gerechnet hatte.

Im Oktober des Vorjahres waren die 05er Tabellenführer. Auf die Niederlage im absoluten Schlagerspiel beim Karlsruher SC vor 13.500 Fans folgten drei weitere Siege, Die Niederlage in Trier kippte die Schweinfurter vom Platz an der Sonne. Damals stiegen die ersten Beiden auf, doch in 2001 ging es abwärts. Obwohl der Re-Start perfekt war: 1:0 beim FC Bayern München 2. Wer heute noch weiß, dass Darko Ramovs das Tor des Tages erzielte und an diesem kalten Februarnachmittag bei den Hausherren Stefan Wessels, Oliver Beer, Owen Hargreaves, Steffen Hofmann, Berkant Göktan oder Benjamin Schöckel aufliefen, muss ein echter Fußballfachmann sein.


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Danach aber: Niederlagen zuhause gegen den VfR Mannheim, gegen die als 15. anreisenden Offenbacher Kickers, bei Schlusslicht Pfullendorf, später in Jena, als die Thüringer Letzter waren, oder in Elversberg ließen kaum noch Hoffnungen zu, dass der FC 05 Zweiter werden konnte. Auch wenn zwischenzeitlich fast 5000 Fans das 0:0 gegen den KSC sahen und im letzten Heimspiel mit 3:0 der Fünfte aus Darmstadt deutlich geschlagen wurde. Keine 1500 Fans wollten das aber sehen – an einem Mittwochabend, an dem danach der FC Bayern München gegen Valencia die Champions League gewann.


Die Konstellation vor dem finalen Match drei Tage später bei Wacker Burghausen war klar: Die Schweinfurter hatten es nicht mehr selbst in der Hand. Eintracht Trier – mit dem späteren Schweinfurter Igor Budisa und dem FC 05-Gewächs Matthias Keller – musste einfach nur gegen den VfB Stuttgart 2 gewinnen, um in die 2. Bundesliga aufzusteigen. 9000 Fans kamen dort zum Finale. Rieseneuphorie also bei dem Verein, der inzwischen Oberligist ist. Doch nur Angelo Vaccaro traf an diesem Tag – für die Gäste. Und in Burghausen wussten die Hausherren auf Heiko Grögers 1:0 nur den Ausgleich als Antwort.

Trier und Schweinfurt hatten somit nach 34 Spieltagen beide 57 Punkte auf dem Konto und jeweils ein Torverhältnis zum plus 14. Weil der FC 05 aber 57 Tore erzielt hatte und die Eintracht nur 48, waren die Schnüdel Dritter. Der direkte Vergleich, der an die Moselstädter ging, zählte damals nicht. Und der VfB Stuttgart 2 war als Zweiter nicht aufstiegsberechtigt.

Übrigens: Meister Karlsruher SC, der am letzten Spieltag zuhause gegen Schlusslicht Carl-Zeiß Jena verlor, begrüßte wenige Wochen später nur den FC 05 zum Start in die Saison der 2. Bundesliga. Die Schweinfurter verloren, wie auch Auswärtsspiel zwei bei Eintracht Frankfurt – doch zuhause klappte es mit Siegen gegen Saarbrücken und Bielefeld. Das 1:0 gegen die Arminia war eine ganz besondere Partie, wurde doch an diesem tag die Flutlichtanlage eingeweiht. Doch das wird – Flanke Steffen Stockmann, Kopfball Thorsten Seufert – 20 Jahre nach der Partie an dieser Stelle eine weitere Geschichte.

Heute erinnern sich einige der damaligen Schnüdel an das Aufstiegsszenario. Der Autor des Textes hat die Fragen in der „Du“-Form gestellt, nachdem er die meisten der Akteure bereits seit rund 30 Jahren kennt.

* Mit welchen Hoffnungen seid ihr nach Burghausen gefahren?
Matthias Gerhardt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber wir wollten unser Spiel gewinnen und dann hoffen, dass Trier nicht gewinnt.
Ralf Scherbaum: Mit der Hoffnung natürlich, dass wir aufsteigen. Aber wir wussten auch, dass Burghausen auch noch Punkte braucht…
Heiko Gröger: Wir haben schon an unsere Chance geglaubt und sind mit großen Erwartungen und riesiger Vorfreude zu diesem „alles oder nichts Spiel“ nach Burghausen gefahren. Es war ein enormes Druckspiel, zudem wir es ja auch nicht in der eigenen Hand hatten und auf das Spiel in Trier angewiesen waren.
Kristian Sprecakovic: Da wir schon einen 10-Punkte-Vorsprung während der Saison verspielt hatten, haben wir nicht mehr offen vom Aufstieg gesprochen und der Respekt war groß vor dem Spiel. Die Hoffnung, es dann doch zu schaffen, war natürlich insgeheim immer da.
Steffen Rögele: Natürlich war die Hoffnung Aufstieg da! Aber wir wussten, dass wir auf VfB Amateure angewiesen sind. Dass es am Ende einer Saison um ein einziges Tor ging war verrückt.

Ralf Scherbaum

* Wusstet Ihr auf dem Feld immer Bescheid, wie´s in Trier steht?
Gerhardt: Da war zwar gerade in der 2. Halbzeit Chaos auf der Bank aber wir wussten schon immer, wie es steht. Und das Tor für den VfB haben wir am Verhalten unserer Fans mitbekommen…
Scherbaum: Teilweise, nachdem im Fanblock Jubel bei uns ausgebrochen ist, haben wir gewusst, dass was passiert ist und Trier zurück liegt. Irgendwann hat jemand gesagt, dass Trier den Ausgleich geschossen hat. Stimmte aber nicht…
Gröger: Also, ich persönlich wusste während des Spiels nie, was in Trier passierte und wie es dort stand. War vielleicht auch ganz gut so…
Sprecakovic: Ja, wir wussten Bescheid, gebracht hat es wenig, da man erst recht nicht wusste, wie man spielen sollte. Burghausen brauchte ein Unentschieden für den sicheren Klassenerhalt. Uns hat auch ein Unentschieden gereicht, da Trier zurücklag. Die letzten 15 Minuten hat sich keiner getraut, offensiv zu spielen.Zwei, drei Pässe gespielt und den Ball nach vorne geschlagen… So hat es Burghausen auch gemacht.und wir haben nur zur Bank geschaut und gefragt, wie es steht. Wenn man dann im Nachhinein hört, dass ein Trierer Schuss aus fünf Meter nur ein Schienbein des Gegners auf der Torlinie trifft und das in der Nachspielzeit…. Es hat alles gepasst in dieser Saison.
Rögele: Natürlich mussten wir uns erstmal auf unser Spiel konzentrieren, das wir unbedingt gewinnen wollten. Ich denke, so 10 Minuten vor Schluss wussten wir wie es steht, und dass, wenn es so bleibt, ein Punkt reichen würde.

* Wie war das nach Spielschluss, als noch nicht klar war, dass das 1:1 reicht?
Gerhardt: Ich denke, das hat um die drei Minuten gedauert, aber gefühlt war das eine Ewigkeit.
Scherbaum: Jeder ist auf dem Platz rumgelaufen und hat gefragt: ist das Spiel schon aus? Aber keiner wusste es so genau. Hat sich angefühlt, wie Stunden auf dem Platz zu stehen…
Gröger: Diese Minuten waren die Hölle, Anspannung pur, von Schweinfurt war jemand im Stadion in Trier, mit dem man dann Kontakt hatte. Wir hatten die Bilder vor ein paar Tagen zuvor von Schalke als Meister der Herzen im Kopf, von daher versuchten wir diszipliniert zu sein und es gab vor Ende des Spiels in Trier auch kein Jubeln oder Feiern unsererseits. Bis dann das Ergebnis bekannt wurde…
Sprecakovic: Es gab ja damals keine Smartphones. Ich weiß nicht mehr, wer telefonierte und mit wem, da ja alle Offiziellen bei uns waren. Ich weiß nur: jeder hat durcheinander geredet. Trier hat ein Tor geschossen.Trier hat kein Tor geschossen. Es war verrückt.
Rögele: Ich denke, das waren die längsten Minuten unseres Lebens. Ich glaube, eine Woche zuvor hat Schalke zu früh die Meisterschaft gefeiert, daran haben wir in diesem Moment gedacht. Als dann die Nachricht kam, dass das Spiel aus ist in Trier, ca. 5 Minuten nach unserem, war es eine Erlösung und Freude pur!

* Wie war´s, als das Ende von Trier bekannt wurde?
Gerhardt: Ich persönlich war im Mittelkreis gelegen, als dann unsere Fans geschrien haben, fing ich erstmal an zu heulen. Der Druck war schon Wahnsinn… Dann wurde natürlich erstmal auf dem Platz gefeiert.
Scherbaum: Grenzenloser Jubel natürlich, alle haben gefeiert, jeder ist rumgesprungen wie Flummi. Dann alle in die Kabine – unser Masseur war schon mit dem Rasierer da gestanden und fast alle haben eine Glatze bekommen. Danach wieder raus auf dem Platz mit Zigarre, Bier und Sekt.
Gröger: Das Gefühl dann war unglaublich, unbeschreiblich, Freude pur, 2. Bundesliga… wir sind dabei! Zuerst wurde noch am Platz gefeiert, dann ging es in die Kabine, wo Sekt und Zigarren auf uns warteten, die ersten Haare fielen und die Mannschaft von Burghausen kam noch und feierte mit uns.
Sprecakovic: Perfekt. Wir waren so fröhlich, weil wir auch gewusst haben, wir haben etwas Einmaliges geschafft. Keiner hat jemals 2. Liga gespielt und in der vorherigen Saison auch erst am letzten Spiel die Qualifikation zur Regionalliga geschafft.
Rögele: Das war der Wahnsinn. Dieter Wirsching und ich sind gleich in die Kabine und waren die ersten, die mit Glatze wieder raus kamen. Die anderen haben dann nachgezogen (grinst). Dann war erstmal Party auf dem Platz und in der Kabine angesagt. Man muss dazu sagen, dass wir als Absteiger Nr. 1 gehandelt wurden, und es geschafft haben, mit über 10 Spielern auf der Region in die zweite Liga aufzusteigen. Andere Vereine hatten ganz andere Möglichkeiten und Ambitionen.

Heiko Gröger

 
* Wie waren Heimfahrt und Empfang in Schweinfurt?
Gerhardt: Sensationell und unvergesslichen trifft es am besten. Jeder, der dabei war, weiß glaube ich, was ich meine. In Worten einfach nicht zu beschreiben. Viel Singen, noch mehr Alkohol!
Scherbaum: Feucht fröhlich natürlich – und der Empfang der Fans auf der Niederwerner Straße war sensationell. Die ganze Straße am Stadion war voll und alle haben gesungen.
Gröger: Die schönste Heimfahrt in meiner Karriere! Wir haben gesungen, getrunken und gefeiert. Wir hatten vom Bus aus dann noch Kontakt zum VfB Stuttgart aufgenommen und uns bei Ihnen bedankt. Es gab aber auch mal, zwar nur ganz kurz, Momente, in denen man auf seine bisherige Karriere zurück blickte und jetzt wusste, dass sich alles gelohnt hat, was man auch dafür opferte. Auf der Heimfahrt im Bus drang dann durch, dass sich die Straßen ums Stadion langsam mehr und mehr füllten. Als wir die Autobahn verließen, setzte sich vor und hinter unseren Bus Polizei mit Blaulicht und eskortierten uns zum Stadion. Was uns da dann erwartete… Wahnsinn… die vierspurige Straße vor dem Stadion komplett voll mit Fans! Es war der Hammer, was wir da sahen. Endlich konnten wir dann zusammen mit den Fans feiern.
Sprecakovic: Fantastisch! So wie wir auf dem Platz verschworen waren, so haben wir gefeiert. Noch in der Kabine haben wir uns alle die Haare abrasiert, außer Josef Tuma mit seiner blonden Mähne.Im Bus glaube ich erkannt zu haben, dass selbst der Trainer etwas rhythmisch die Hand bewegt hat (lacht). Der Empfang war grandios. Es war schon dunkel, also müssen die Fanslange gewartet haben.
Rögele: Natürlich haben wir im Bus gesungen, getrunken und gefeiert ohne Ende. Der Empfang der Fans in Schweinfurt war einzigartig und die Party mit ihnen auf dem Parkplatz und in der Gaststätte unvergessen. Danach sind wir mit Taxis nach Würzburg gefahren, die Türsteher des Clubs dachten, dass wir mit ihren Worten „die Sw05 Hooligans“ wären aufgrund unserer Glatzen und Aufstiegs T-Shirts (lacht). Sie wollten einige erst nicht rein lassen, aber das Missverständnis hat sich dann aufgeklärt. Eine unvergessene Partynacht mit einer überragenden Truppe, sportlich sowie menschlich!

* Und wie waren die Tage danach?
Gerhardt: Wir haben bis Mittwoch gefeiert, frische Klamotten geholt und sind bis Sonntag nach Malle mit zwölf Mann. Da wurde mir auch richtig bewusst, was wir geschafft haben, nämlich eine Sensation!
Scherbaum: Immer noch feucht fröhlich… Solche Tage vergisst man nicht, es war was Einmaliges, was wir erreicht haben. Mit Spielern aus der Region, wir waren ein eingefleischter Haufen, wo jeder für denn anderen gerannt ist. Das war und ist heute noch eine geile Truppe!
Gröger: Wir hatten sogar noch die eine oder andere Trainingseinheit. Ich glaube, wir spielten da auch dann noch gegen Bayern und Gladbach, bin ich mir aber nicht mehr sicher…. Beim regionalen TV Sender waren wir noch im Studio eingeladen, paar Tage nach Malle ging es natürlich, die Verhandlungen für die neue Saison gingen dann los. Ich persönlich musste noch mit meinem Arbeitgeber zwecks Freistellung sprechen… Auf jeden Fall sehr turbulente Tage waren das.
Sprecakovic: Das war der Beginn einer Verbundenheit mit dieser Mannschaft. Diese Energie hat sich weiter gezeigt in den Heimspielen in der 2. Bundesliga wie zum Beispiel gegen Bochum, Bielefeld und so weiter mit einem vollem Stadion.
Rögele: Wir haben frei Tage gefeiert, und sind dann mit einem Großteil der Mannschaft nach Mallorca geflogen.

 


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