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„Keine Clubs, keine Mädels, kein Alkohol!“: Der Niederwerrner Leon Müller steht vor einer Eishockey-Profikarriere


Pressebeck

NIEDERWERN / SCHWEINFURT / BIETIGHEIM – Seit drei Jahren nun schon spielen die Mighty Dogs unterklassig in der Eishockey-Landesliga. Mit dem mittlerweile 32 Jahre alten Christopher Schadewaldt hat sich das erfolgreichste Eigengewächs nach sieben Jahren bei den Selber Wölfen nun zum Oberliga-Rivalen EV Landshut verabschiedet. Doch nun sorgen weitere ERV-Talente für Aufsehen. Leider längst bei anderen Vereinen.

Leon Müller ist das Paradebeispiel. Neulich meldeten die Steelers aus Bietigheim, also ein Top-Verein aus der DEL 2, der zweithöchsten Deutschen Liga, dass sie den 19-Jährigen mit einem Vertrag für die kommende Saison ausgestattet haben. Der Rechtsaußen ist ein echter Torjäger, kam letzte Saison in der DNL 2, der zweithöchsten Nachwuchs-Liga, in 35 Spielen auf 35 Tore und 39 Vorlagen, zeigte zudem in der 1b der Bietigheimer in der Regionalliga mit fünf Toren bei drei Einsätzen, dass er es auch schon bei den Erwachsenen kann.


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„Keine Clubs, keine Mädels, kein Alkohol!“ Leon Müller zählt auf, auf was er verzichten muss auf seinem Weg. Und der hat ein Ziel: „Es wäre ein Traum, in der DEL Fuß zu fassen. Das wird schwer. Aber ich gebe alles dafür“, sagt er. Klar, zunächst will er ab Ende Juli / Anfang August, wenn die Saisonvorbereitung so richtig los geht, seinen Platz im Team der Bietigheimer finden. Was für einen 19-Jährigen schon schwer genug wird. Doch die Steelers haben mit dem ERC Sonthofen einen Kooperationspartner in der drittklassigen Oberliga. Mittels Förderlizenz könnte Müller auch dort auflaufen. „Das ist vorstellbar“, sagt er. „Denn das Wichtigste ist die Spielpraxis!“ Der Verein stellt ihm ab 1. August ein Auto zur Verfügung. Eine Wohnung hat er schon. Leon Müller ist Eishockey-Profi.


Seine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik nach der Mittleren Reife hat er abgeschlossen. Mit 14 ging er schon weg von Zuhause aus Niederwerrn. Zunächst auf Vermittlung von Mikhail Nemirovsky nach Heilbronn zu einem Bietigheimer Nachbarverein, der ebenfalls seine erste Mannschaft in der DEL 2 hat. Dort aber fühlte er sich im Nachwuchs schnell unterfordert. Und die Bietigheimer boten ein höherklassiges Schülerteam zum Lernen. 2014 wechselte Müller, spielte nun drei Jahre für die U18. Zunächst setzte er sich als Jüngster durch, kam dann nach einem Schlüsselbeinbruch in der zweiten Saison stärker als zuvor wieder zurück.

Es hätte nun auch andere Möglichkeiten gegeben. Sergej Waßmiller hätte ihn gerne nach Bayreuth geholt, wo der einstige Mighty Dog seit Jahren erfolgreicher Trainer ist, nachdem man ihn mehr oder weniger aus Schweinfurt vergraulte. Sergej wollte Leon eine Chance geben, im Profibereich Fuß zu fassen, er kannte ihn von früher, war neben Juri Peregudov einer derjenigen beim ERV, die ihn früh leiteten. Auch Übersee war ein Thema. Montreal oder North Dakota zum Erfahrungen Sammeln in Kanada oder den USA galten als Option. Doch Leon Müller entschied sich zum Bleiben. „Der Bietigheimer Kader ist der beste der DEL 2. Da kann ich viel lernen. Auch Englisch, denn das wird in der Kabine gesprochen!“ Er gibt aber zu, dass er schon ein bisschen überrascht war, als der Verein ihm einen Profivertrag anbot.

Um die 15 Kilo hat er seit dem Wechsel weg von Zuhause („der Schritt war anfangs schon schwer!“) zugenommen. Muskelmasse. Bei 81 Kilo und 1,80 Körpergröße, bei nur sechs Prozent Körperfett hat Leon ideale Maße. Seine Spritzigkeit, seine Schnelligkeit zeichnen ihn aus. Doch er tut auch viel dafür. Wenn er nicht gerade so wie momentan im Heimaturlaub ist, dann wird trainiert. An der Athletik, am Schuss, natürlich auch im Sommer. „Ich habe den Ehrgeiz. Talent alleine reicht nicht“, weiß er. Weil er damals schlecht in der Schule war, versagte die Mutter dem heute 19-Jährigen ein weiteres Training bei einer Auswahlmannschaft. Er hätte dann unter der Woche auch mal nach Füssen fahren müssen. So wurde es nichts mit einer Nominierung für eine Nachwuchs-Nationalmannschaft.

Leon Müller erzählt Geschichten von früher, als er mit seinen Kumpels von 13 bis 20 Uhr täglich am Icedome herum hing in Schweinfurt. „Wir haben versucht, in die Eishalle zu kommen, wenn sie geschlossen war. Oft sind wir durch Fenster hinein geklettert, um auf´s Eis gehen zu können. Das war schon verrückt!“ Die Kumpels von früher: In erster Linie waren das Dennis Lobach und Dominik Bokk, beide erst 17, die ebenfalls den Sprung weg vom ERV wagten: Lobach, auch ein Niederwerrner, ist U17-Nationalspieler, spielt für die U18 von Red Bull Salzburg. Bokk, der aus Röthlein kommt, schoss zuletzt für die U18 der Kölner Haie 43 Tore und gab weitere 45 Vorlagen, wurde nun nach Kanada gedraftet. Auch beim ERC Ingolstadt spielen im Nachwuchs mittlerweile einige Eishockey-Talente aus Schweinfurt. In Bietigheims U18 fing zuletzt auch Goalie Nicolas Hetzel die Pucks. Auch 17, Bergrheinfelder und 2014 zunächst nach Bad Tölz gewechselt.

Fünf Mal standen die Bietigheimer zuletzt im Finale der DEL 2, wurden zwei Mal Meister, stiegen aber nie in die DEL auf, für die man sich im Deutschen Eishockey ja sportlich nur bedingt qualifizieren kann. 4583 Plätze bietet die moderne Arena. „Ich bin mir sicher, dass der Verein die nächsten zwei Jahre in die DEL kommen wird“, sagt der 19-Jährige. Unter Coach Kevin Gaudet will er lernen. „Auch wenn die Stammspieler alle viel älter sind. Das ist fast so wie bei Bayern München“, lacht er.

Leon Müller gibt zu, dass er davon träumt, mal in Köln, Mannheim oder Berlin an einem der großen Eishockey-Standorte Deutschlands zu spielen. Am liebsten zusammen mit den Kumpels Dennis und Dominik. „Oder wenigstens gegeneinander in der DEL“, lacht er. Einen Ausklang der Karriere mit den Jungs irgendwann im Dress der Mighty Dogs kann er sich auch vorstellen. Weil Leon Müller Schweinfurt weiter liebt und weil er weiß, was er dem ERV zu verdanken hat. Vor allem Juri Peregudov. „Er hat uns immer gesagt: ´Ihr könnt alles erreichen!´“

Und danach sieht´s nun tatsächlich aus!


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