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Ping-Pong-Ultras mit feinen Etiketten: Warum der Fanclub des TSV Bad Königshofen einzigartig in Tischtennis-Deutschland ist


Kanal-Türpe

BAD KÖNIGSHOFEN – Was halten Sie eigentlich von „Ultras“ unter den Sport-Zuschauern? Vergessen Sie´s! Es geht auch ganz anders. Nämlich so, wie es der erste und einzige Tischtennis-Fanclub eines Bundesliga-Vereins in Deutschland macht: Die „Ping-Pong-Ultras“, die Supporter im besten Sinn des TSV Bad Königshofen.

Warum? „Weil wir das Wort Ultras anders verstehen“, erklärt Josef Weber, der „selber noch nie richtig Tischtennis gespielt hat, höchstens mal im Urlaub auf dem Campingplatz, eigentlich überhaupt keinen Sport.“ Bei den anderen 19 Mitgliedern ist es ähnlich: „In einer Mannschaft hat nie einer von uns gespielt.“ Überhaupt hat er erst „vor eins, zwei Jahren mal in der Shakehands-Arena vorbei geschaut, weil mein Simon dort war und gesagt hat, Vadder, da musst´de auch mal hin. Ich ging hin und von da an zu jedem Spiel. Da ist was los. Diese Ballwechsel, diese Stimmung! Irre! Alle paar Sekunden ein Riesen-Erlebnis.“


AOK - Keine Kompromisse

Dort habe er Bekannte getroffen, „wir waren immer auf den selben Plätzen. Dann kamen andere dazu, denen es bei uns gefallen hat und die irgendwie zu uns passten, weil sie die gleichen Vorstellungen hatten.“ Inwiefern? „Bei uns wird nicht rein gebrüllt, niemand beleidigt, nicht gesoffen. Wir wissen, wann man still zu sein hat, wann und wie man anfeuern darf. Wir dulden keine Rowdies.“ Es hätten sich mal einige drunter gemischt und daneben benommen. „Dann haben wir gesagt, he, geht lieber woanders hin.“ Es gebe richtige Etiketten, die alle akzeptieren, ohne groß darüber zu diskutieren. „Das spürt man doch, ob was ankommt oder anstößt“, erklärt der 58-jährige, allseits Bekannte: Vom Beruf her, wo er immense Kräfte aufbringt und schwerste Lasten von A nach B bringt. Und von einer ZDF-Koch-Show her.


Jenes ZDF war aber nicht der Grund für die Farbwahl Orange der T-Shirts, die sich die Ultras anfertigen ließen. „Es soll sich doch ultra abheben.“ Was dem ZDF-Sportstudio-Moderator Jochen Breyer als Stargast beim TSV aber sofort als „ZDF-Farbe“ aufgefallen ist. Nicht nur der war begeistert von dieser Gruppe da oben unter der Hallendecke, hinter der letzten Sitz-Reihe. Für Stimmung und zwar für friedliche und positive sorgen sie immer. Und irgendwie sind sie es doch meistens, die den Ton angeben, zu klatschen anfangen, wenn ein Königshöfer schwächelt, oder seinen Namen stakkatoartig, zum Beispiel „Mi-zu-ki, Mi-zu-ki“ brüllen und die ganze Arena einstimmt.

Nur eine (Un-)Tugend haben sie, die auch Deutschland-weit etwas aus dem Rahmen fällt: Bei einer Netz-Angabe, wenn die Schiedsrichter die Hand heben, unterstützen sie diese, indem sie, freilich etwas gediegener, alle „Netz“ rufen. Bis jetzt hat es noch kein Schiri moniert und kein einheimischer oder auswärtiger Spieler oder Trainer oder Manager beanstandet. Man schmunzelt darüber. Es scheint irgendwie das Privileg des bundesweit gerühmten Königshöfer Publikums zu sein. Wahrscheinlich auch deshalb, weil man froh ist, dass es dieses gibt. Es setzt Maßstäbe. Und weil dadurch keiner der beiden Sportler am Tisch bevorzugt oder benachteiligt wird. Apropos Manager und Maßstäbe! „Der Düsseldorfer Manager, er heißt Preuss oder so, hat angeboten uns zu kaufen“, verrät Josef Weber. Wie das? „Nicht nur, weil wir auch Timo Boll angefeuert haben. Er würde uns sofort für die Arag-Arena in Düsseldorf engagieren, hat er gesagt, weil wir so eine tolle Stimmung machen. So eine gebe es in ganz Deutschland nicht mehr.“

Bestimmt werden einige der Ping-Pong-Ultras, vielleicht sogar alle, wenn ein Bus fährt und es noch um die Play-Off-Teilnahme geht, zum Rückspiel am 16. Februar nach Düsseldorf fahren. Das werden sie in ihrem Club-Lokal „Beim Schwager“, der Kneipe in den „Stadtsaal-Lichtspielen“, besprechen. Dort, wo man sich bei Auswärtsspielen trifft und das Spiel gemeinsam im Livestream bei sportdeutschland.de verfolgt. Sitzungen und Versammlungen „in dem Sinn gibt es nicht, weil wir ja kein eingetragener Verein sind“, beschreibt Josef Weber das Fan-Bündnis. „Wir zahlen keine Beiträge und wählen keine Vorstandschaft. Karin Fecke und Gustav Hahn managen das irgendwie, wenn´s was zu erledigen gibt.“ So wie zum Beispiel die letzten zwei Auswärtsspiele in Ochsenhausen, zu dem man mit PKW´s fuhr, und in Mühlhausen, mit dem Fan-Bus. In Ochsenhausen, die Halle war in Ultra-Hand, seien sie etwas enttäuscht gewesen. „Aber nur von einem einzigen, ganz g´scheiten Zuschauer, der gerufen hat, wir sollen unser Bier woanders trinken.“ Damit hat er einen Nerv getroffen: „Glaub´ mir, jeder von uns hätte heimwärts das Auto fahren können und dürfen.“

Die Ping-Pong-Ultras sind auch nicht darauf aus, den Mitgliederstand unbedingt erhöhen zu wollen. Wenn einer mitmachen will, muss er nur auf uns zukommen bei einem Heimspiel“, zum Beispiel gegen den Tabellenführer 1. FC Saarbrücken TT mit dem Ex-Königshöfer Darko Jorgic am 17. November. „Aber ich sag´s gleich: Er muss zu uns passen, dann gern.“ Das heißt, er muss die Benimm-Regeln einhalten.

Ganz andere Regeln sieht der Masterplan der TTBL-GmbH vor, unter vielen anderen diese zwei: Jeder TTBL-Verein ist, um Sanktionen zu vermeiden, dazu verpflichtet, einen Fanclub zu entwickeln und zu pflegen und zu mindestens zwei Auswärtsspielen einen Fanbus zu chartern mit mindestens 15 Mitfahrern. Darauf hingewiesen, kann Josef Weber nur schmunzeln: „Na siehst´de, das haben wir gar nicht gewusst.“

Auf dem Bild: Friedlich und anständig zu sein, ist die Benimm-Regel der Ping-Pong-Ultras, “ so ganz ultra zu manchen Ultras in anderen Sportarten.”

Text und Foto: Rudi Dümpert für sw1.news



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