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Ratz fatz vorbei: Eine Demontage war das Bad Königshofener 0:3 gegen Saarbrücken aber mitnichten


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BAD KÖNIGSHOFEN – Am Ende stand ein klares Ergebnis zweier Mannschaften, die nicht nur Größe und Potenzial des Vereins und der Traditionen trennen, sondern auch die Qualität des Kaders. Hier sahen 685 Zuschauer in der Shakehands-Arena den aktuellen Deutschen Vizemeister und möglicherweise den neuen Deutschen Meister 2020 – und zwar genau in dieser Besetzung.

Nein, da hatte Headcoach Slobodan Grujic mal lieber nichts anbrennen lassen und seine Top-Besetzung nach Bad Königshofen geschickt. Die Ergebnisse der Gastgeber stimmten ja in letzter Zeit nicht so sehr. Der Respekt, den sie sich in der TTBL erarbeitet haben, hat aber nicht gelitten. Natürlich bestand schon im Vorfeld eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass es für den erneut ohne Kilian Ort angetretenen TSV etwas zu erben gäbe. Aber auch mit ihm wäre vielleicht dieses Ergebnis zustande gekommen. Eine Demontage, das sei hier schon festgehalten, war es aber mitnichten, ein zweistündiger Sport-Event auf hohem Niveau ganz gewiss: Tischtennis-Weltklasse kompakt komprimiert besonders in die 42 Minuten, welche die drei Sätze des ersten Einzels Oikawa – Kun in Anspruch nahmen.


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Und was kam beim taktischen Geplänkel der beiden Headcoaches heraus: Eine rein ostasiatische Paarung, eine kroatisch-slowenische und eine rein deutsche. Ihren besonderen Reiz hatte die Partie zwischen dem Grabfeld-Japaner Mizuki Oikawa und dem nach einer Saison lang ungeschlagen aus Polen ins Saarland gewechselten Shang Kun, aktuell vielleicht viertbester Chinese auf dem Erdball. Er kam angereist mit weißer Weste, einer 6:0-Bilanz, und verließ die Halle mit 7:0. Aber Mizuki Oikawa zwang den 28-jährigen Linkshänder zur Herausgabe seines ganzen Könnens. Es war ein Augenhöhe-Duell vom ersten bis zum letzten Ball. Schon mit jenem zum 1:0 im ersten Satz eröffneten die beiden Vertreter aus den Tischtennis-Ländern Nummer 1 und 2 der Welt ein Feuerwerk ihrer Tischtennis-Künste. Nach 4:0-Führung zwang Oikawa seinem Gegner einen 20-minütigen ersten Satz auf: ein absoluter Seltenheitswert. Er erkämpfte sich selber zwei Satzbälle (10:9 und 13:12). Doch schließlich rettete sich Kun mit Hilfe eines Oikawa-Aufschlagfehlers zum 15:13.


Der zweite Durchgang verlief nahezu identisch: geballte asiatische Konzentration, Dynamik und Hoch-Risiko-Aufschläge. Das besondere Fairness-Ereignis bei 8:6 für Oikawa, diesmal, wenn man so will, die Retour-Kutsche zu Zeljkos Ehrlichkeit gegen Düsseldorf. Hier soll Shang Kuns Ball die Boxen-Umrandung berührt haben. Die Schiris entschieden für Kun, ein paar Blickwechsel nach dem Ballwechsel und diesmal gab Kun den Punkt an Oikawa zurück. Lang anhaltender Beifall des Publikums für den Gast, nicht 8:7, sondern 9:6, dann 10:6 und vier Satzbälle für den Königshöfer. Aber Kun kam über 10:10 doch noch zum 13:11 und zur 2:0-Satzführung. Nach 42 Minuten waren der dritte Satz (11:9) und der erste Punkt für Shang Kun und Saarbrücken in trockenen Tüchern.

Nun kam es zum Duell der zwei ehemaligen TSV-Teamkollegen, des noch aktuellen Filip Zeljko und des ehemaligen (2017/18) Darko Jorgic. Nur im ersten Satz konnte Zeljko, das Geburtstagskind (23), mithalten, dann setzte sich Jorgic ab. Er war um etliche Kilo leichter und mindestens eine Konfektionsgröße kleiner in die Halle zurückgekehrt, in der er sich einen Namen in TT-Deutschland gemacht und die Herzen der Fans erobert hatte. Sie begrüßten ihn besonders herzlich, ihre Sympathien galten aber ganz klar Filip Zeljko. Der am Ende allerdings die größeren Qualitäten seines Gegners anerkennen musste und doch ein bisschen unterging. 0:2 zur Pause und noch kein Satz gewonnen!

Für den sollte im dritten Match des Tages Bastian Steger gegen den Weltranglisten-15. Patrick Franziska sorgen. Die Kollegen Nationalspieler unter sich: Der eine mit zwei olympischen Bronzemedaillen, der andere mit zwei Mal WM-Silber, jeweils im Team. Solche Erfolge haben sie in etwa gleich. Worin sie sich unterscheiden: Franziska (27) hat elf Lebensjahre weniger, 26 Zentimeter mehr an Körpergröße und mindestens noch einmal so viel an Reichweite. Im ersten Satz verzückte Basti Steger seine Fans, hoch konzentriert und ebenso motiviert. Sie sind ja auch noch ein bisschen Konkurrenten um den dritten Olympiaplatz für Tokio 2020 hinter Boll und Ovtcharov. Ein Zeichen in diese Richtung konnte Steger aber nur im ersten Satz setzen, gewann ihn mit 11:7. Dann aber setzten sich Franziskas Finessen und besonders der gefährlichere Aufschlag durch. Sein 3:1-Sieg war verdient, so wie das 3:0 für Saarbrücken insgesamt. Diese Hausnummer ist halt doch noch eine zu groß für den TSV.

TISCHTENNIS, 1. Bundesliga Herren:
TSV Bad Königshofen – 1. FC Saarbrücken TT 0:3

Mizuki Oikawa – Shang Kun 0:3
(13:15/11:13/9:11)
Filip Zeljko – Darko Jorgic 0:3
(9:11/3:11/3:11)
Bastian Steger – Patrick Franziska 1:3
(11:7/8:11/9:11/6:11)
Zuschauer: 685

Text und Fotos: Rudi Dümpert für sw1.news



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