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So schnell wie ein Fußballspiel verlor Bad Königshofens Tischtennis-Crew bislang noch nie…


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MÜHLHAUSEN / BAD KÖNIGSHOFEN – Dieser thüringisch-bayerische Vergleichskampf ging klar und verdient an die einzige ostdeutsche Tischtennis-Bundesliga-Mannschaft und dauerte, was selten genug, für die Königshöfer bisher einmalig ist, genau so lang wie ein Fußballspiel.

Was allein schon verrät, dass es die zweithöchste Niederlage (2:9 Sätze) eines TSV-Teams in zweieinhalb Jahren im deutschen Tischtennis-Oberhaus war. Es war, neben dem Pokal-K.O. in Fulda die fünfte Niederlage der Grabfelder im sechsten TTBL-Spiel seit der Verletzung von Kilian Ort. Nur gegen Neu-Ulm (3:2) konnte sein Ausfall kompensiert werden. Doch diese Niederlage ernüchterte wesentlich mehr als alle vorherigen, war doch jene gegen Düsseldorf acht Tage zuvor im Boll-Steger-Fieber noch wie ein gefühlter Sieg gefeiert worden. Diesmal gab es nur lange Gesichter der im Fan-Bus fröhlich ins Thüringische aufgebrochenen Tischtennis- und TSV-Freunde.


DB Oktober-November

Das Taktieren bei der Aufstellung hatte der Post-Coach Erik Schreyer gewonnen. Beide hatten ihre Spitzenspieler (Habesohn bzw. Oikawa) auf die 3 gesetzt und ihre Dreier (Jancarik bzw. Zeljko) ins Spitzen-Paarkreuz. Was bedeutete, dass im allerersten Spiel, Ovidiu Ionescu gegen Filip Zeljko, Verlieren erlaubt war. Doch was war das für ein verheißungsvoller Start: Unter begeisterten „Filip-Filip“-Sprechchören der 70 Mitgereisten holte sich Zeljko den ersten Satz mit 11:4. Die Halle am Kristan-Platz war in Königshöfer Hand. Doch es sollte eine Momentaufnahme sein. Bereits im zweiten Satz verfiel der Ort-Ersatzmann in alte Muster, spielte zu passiv und fehlerhaft.

Andererseits hatte der rumänische Einzel-Vize-Europameister von 2018 und Doppel-Vize-Weltmeister von 2019 die richtigen Mittel gefunden. Er umlief immer öfter seine eigene Rückhand und knallte Zeljko (auf dem Bild) seine krachende Vorhand nur so um die Ohren. Um dann plötzlich Tempo und Spin herauszunehmen und seinen zehn Jahre jüngeren Gegner zu überraschen. Selten gewinnt der Spieler, der seinen Stiefel vom ersten bis zum letzten Ballwechsel durchzieht oder ganz einfach über weniger Alternativen verfügt. Und so blieb wie so oft: Zeljko begeisterte, vorübergehend, mit seinem Kampfgeist, verlor aber das Spiel (1:3) und kommt einfach nicht über die Rolle einer Notlösung hinaus. Außer im Doppel gegen Neu-Ulm war er immer der Unterlegene.


Also musste wieder einmal Bastian Steger liefern, was gegen den Tschechen Lubomir Jancaric auch hochgerechnet wurde. Bisher hatte der „Basti“ zwar nicht alle, aber alle Spiele dieser Art gewonnen, in denen man von ihm einen Sieg erwartet hatte. Doch diesmal zeigte er, dass er ein normaler Mensch mit guten und weniger guten Tagen hat. Auch bei ihm gibt es eine Tagesform, mentale Schwankungen und eine beschränkte Resistenz gegen Erwartungsdruck. Bis 4:1 im ersten Satz schien ja die Rechnung zum 1:1-Ausgleich aufzugehen. Dann riss der Faden, den Jancarik dankend aufnahm und sich zunehmend in einen Rausch spielte. Erst nervte er Steger mit seiner großen Auswahl von Aufschlags-Varianten. Dann machte er einfach keine Fehler mehr. Mit der Folge, dass sich die bei Steger häuften und sich seine Körpersprache veränderte. Seinen Bewegungen ging die gewohnte Dynamik und Explosivität ab. Seine fallenden Arme zeigten Ratlosigkeit an: Gift, wenn das der Gegner sieht. Der riss die Zuschauer mit und diese trugen ihn zum Sieg. Für Steger gab es einfach kein Entrinnen aus dem negativen Lauf an einem gebrauchten Tag.

0:3 gegen ihn, 0:2 gegen Bad Königshofen, und der Druck auf den aus Japan ins Team zurückgekehrten Mizuki Oikawa hätte nicht größer sein können. Eine schwierige Situation, bei der Verlieren verboten war. Und das gegen die Nr. 27 der Weltrangliste, die beste in der Laufbahn des 33-jährigen Daniel Habesohn aus Wien, Europameister im Doppel von 2018. Und der zeigte bereits beim zweiten Ballwechsel seinem Gegner, was eine Harke ist. Den Punkt zur 2:0-Führung gewann er durch einen Hinter-dem-Rücken-Blockball, vergleichbar im Fußball mit einem Tor per Fallrückzieher von der Eckfahne aus. Nach dem 6:6-Zwischenstand ging die Post ab: 7:11 im ersten Satz, was den Druck auf Mizuki nur noch erhöhte.

Super-Start von Habesohn auch im zweiten Satz, über 7:1 zum 11:6. Nur im dritten keimte etwas Hoffnung auf, als der kleine Japaner bei 2:6 Auszeit nahm und dann seinem Gegner nur noch einen Punkt überließ: 11:7, Königshofens zweiter Satzgewinn – der letzte. Denn der vierte (2:11) brachte die ganze Demütigung zum Ausdruck. Das war nicht der TSV Bad Königshofen, der im ersten Saison-Drittel die TTBL gerockt hat. Das war schlicht und ergreifend eine Abfuhr, die erste dieser Art im 47. Bundesligaspiel. Die Verlierer gratulierten mit sportlichem Anstand, die Post-Gelben, Altersdurchschnitt 32, tanzten ausgelassen wie kleine Kinder. Und Kilian Ort ging in den Fanbus und versprach Revanche fürs Rückspiel am 23. Februar.

Weiter geht´s aber erst einmal am übernächsten Sonntag, den 17.11., 15 Uhr, in der Shakehands-Arena gegen den 1. FC Saarbrücken, aktuell Zabellenzweiter, während Bad Königshofen auf Rang sechs zurück fiel.

Tischtennis-Bundesliga: Post SV Mühlhausen – TSV Bad Königshofen 3:0
Ovidiu Ionescu – Filip Zeljko 3:1
(4:11/11:7/11:6/11:7)
Lubomir Jancaric – Bastian Steger 3:0
(11:8/11:4/11:9)
Daniel Habesohn – Mizuki Oikawa 3:1
(11:7/11:6/7:11/11:2)
Oberschiedsrichter: Christian Grundler
Zuschauer: 290

Text und Foto: Rudi Dümpert für sw1.news



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