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Spektakel diesmal mit Happy End: Der TSV Bad Königshofen holt vierten Saisonsieg, zum zweiten Mal gegen Werder Bremen


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BAD KÖNIGSHOFEN – Es können wohl nur böse Zungen behaupten, dass Bence Majoros sein Spiel gegen Hunor Szöcs absichtlich verloren hat. Und dass er sich damit eine Niederlage und den Zuschauern als Zugabe einen Leckerbissen eingebrockt hat. Immerhin führte seine TSV-Mannschaft gegen den Tabellennachbarn Werder Bremen mit 2:0, er selber nach Sätzen 2:1 und 10:6 und noch einmal 11:10.

Das waren fünf Gesamtmatchbälle, von denen einen zu verwandeln gereicht hätte. Er verlor aber 11:13, hatte so viel mentale Energie verbraucht und den psychologischen Vorteil zum Rumänen hinüber geschoben, dass er im fünften Satz mehr gegen seine Nerven als gegen seinen Gegner unterlag und noch einmal neue Spannung in der Halle aufbaute. Krimi-Freunde muss das an Alfred Hitchcock erinnert haben, der, würde er noch leben, als Gast dieses Spiels neue Impulse für Spannungselemente und Dramaturgie gewonnen hätte.


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Nein, dieser Bence Majoros auf der Siegerstraße wurde noch zur tragischen Figur, die den Gästen des TSV nach zwei Stunden eine zusätzliche dritte ermöglichte: Fünf Sätze Oikawa gegen Steger, fünf weitere Sätze Weltklasse-Tischtennis. Ein lückenloser Anschluss an das Düsseldorf-Spiel vor einer Woche. In Führung hatte der kleine Japaner sein Team mit einem Vier-Satz-Sieg gegen den Belgier Florent Lambiet gebracht, erwartungsgemäß angesichts seiner aktuellen Top-Form. Nur im dritten Satz (7:11) war zu erkennen, dass auch ihm nichts geschenkt wird, er sich jeden Satz hart erarbeiten muss in seinem fünften Jahr in Bad Königshofen. Nach einer halben Stunde hatte er die 1:0-Führung für die Grabfelder im Sack.





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Nun kam es zur Neuauflage des Halbfinal-Duells bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin, wo Kilian Ort zum ersten Mal gegen den Olympia-Medaillen-Gewinner Bastian Steger gewonnen hatte und im August gleich noch einmal beim Hinspiel in Bremen. Dabei war er seiner Sache gar nicht so sicher. „Ich habe diese Saison in der Bundesliga noch kein Heimspiel gewonnen, auch wenn es erst zwei waren“, gab er zu bedenken. „Deshalb habe ich versucht, ein paar Sachen, die für mich hier Routine sind, umzustellen, hauptsächlich im mentalen Bereich.“ Doch er setzte sich zum dritten Mal in Folge im Duell der beiden einzigen Bayern in der Bundesliga mit 3:1 durch, wonach es nach dem ersten Satz (5:11) aber nicht zwingend ausgesehen hatte. Das Gemeinsam von Spielern und Fans wollten die Jungs von der Musik-Box beschwören, als sie „We will rock you“ in der Pause vor dem entscheidenden vierten Satz auflegten. Ihr „Ki-li-an“ rockte die Halle, gewann ihn mit 11:5 und brachte sein Team zur Pause mit 2:0 in Front.

Dann folgte jene Ernüchterung, obwohl Majoros seinen Gegner im Hinspiel noch mit 3:1 bei seinem ersten Bundesligaspiel bezwungen hatte. Mit dem „Final Countdown“ der DJ´s am Laptop sollte es nichts werden. Nach dem zweiten (11:9) und dritten Satz (12:10) blies Bence noch erleichtert die Backen auf. Am vierten Satz dieses Psychothrillers, den mit den vier vergebenen Matchbällen, wird er noch einige Zeit zu kauen haben. Doch da müssen so junge Spieler wie Bence (19) durch und reifen daran, wenn sie es schaffen.

Jetzt folgte also die kostenlose Zugabe, so wie es sich für seriöse Künstler gehört. Und solche sind Mizuki Oikawa und Bastian Steger fürwahr. Mit 12:10 servierte „Mizou“ den ersten Satz des Leckerbissens, dass die Jungs zu „Heut´ is so a schöner Tag“ griffen. Was den Oberviechtacher zum Gegenschlag reizte: 11:8 für Steger im zweiten. Comeback von Oikawa im dritten: Mit fünf Punkten in Serie vom 6:8 zum 11:8. Und wieder schlug Basti Steger, ein Teamplayer par excellence und Kämpfer vor dem Herrn, zurück, holte sich den vierten Satz mit 11:8. Würde es tatsächlich wieder zu einem Schlussdoppel wie gegen Düsseldorf kommen, „an Tagen wie diesen?“ Jetzt holte Oikawa die Keule raus, ging über 5:0 und 8:1 mit 10:4 in Führung. Doch Steger gab und gab nicht nach – und bei 11:4 dann doch. 172:161 Bälle, 11:7 Sätze, verdienter 3:1-Sieg für den neuen Tabellenachten TSV Bad Königshofen – vor stehenden Ovationen von 451 Zuschauern und vor dem Heimspiel gegen Grenzau (6.) am kommenden Sonntag.

Kilian Ort zu seiner Leistung: „Ich kam heute nicht mit dem allergrößten Selbstvertrauen hier an, weil ich schon öfter ganz nah vor meinem ersten Heimsieg diese Runde war. Es lässt sich im Sport halt nicht vermeiden, dass man auch in Situationen, in denen es nicht tauglich ist, ans Gewinnen und nicht nur an den nächsten Ballwechsel denkt. Ich habe versucht das auszublenden und es ist mir auch gut gelungen. Bastian hat heute nicht seinen besten Tag erwischt. Ich habe meinen Sieg gegen ihn auch nicht besonders zelebriert, weil ich zu viel Respekt vor ihm und seiner Karriere habe. Die Zuschauer werden dies bestimmt verstehen.“

Mizuki Oikawa: „Natürlich bin ich sehr glücklich, dass ich meiner Mannschaft zum Sieg verhelfen konnte. Es waren aber keine einfachen Spiele, für die besondere Taktiken nötig waren, die mir mein Trainer Koji Itagaki aufgetragen hat. Ich denke schon, dass das momentan die beste Form ist, die ich in meiner Laufbahn bisher hatte. Sie war in der vergangenen Saison auch schon gut. Ich habe da manche Spiele überragend und dann wieder manche schlecht gespielt. Diese Saison spiele ich ausgeglichener, mein Durchschnitts-Level ist angestiegen und ich kann es fast immer abrufen. Meine Leistungen sind stabiler geworden und schwanken nicht mehr so sehr. Woran es liegt? Ich bin etwas erfahrener geworden und ich fühle mich den tollen Zuschauern gegenüber verpflichtet ein Spektakel zu bieten, damit sie zufrieden nach Hause gehen.“

1. Tischtennis Bundesliga, Herren: TSV Bad Königshofen – SV Werder Bremen 3:1

Und hier noch ein Video zum Sieg von Kilian Ort:

Text: Rudi Dümpert für sw1.news, Fotos: Michael Horling / Rudi Dümpert, Video: Petra Moritz







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